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Biotreibstoffe für Regenwald-Rodung verantwortlich
- Experten-Studie zeigt komplexe Zusammenhänge auf
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| "Bio" schlecht für
die Umwelt? Bioethanol an der Tankstelle. (Foto: Andreas Morlok
/ pixelio.de) |
Die geplante Ausdehnung von Plantagen für Biotreibstoffe
in Brasilien könnte indirekt die Zerstörung des Regenwaldes
forcieren. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität
Kassel in einer Studie, die im Wissenschaftsmagazin Proceedings
of the National Academy of Sciences PNAS veröffentlicht wurde.
Durch die Ausdehnung der Zuckerrohr- und Sojaplantagen würden
nämlich Viehzüchter in Richtung Amazonien verdrängt.
Um das Gebiet für die Rinderzucht aufzubereiten, müssten
Waldflächen gerodet werden. Das verschlechtert die Kohlenstoffbilanz
des "Biosprits" ganz erheblich. Brasilien setzt derzeit
vor allem auf Zuckerrohr für die Ethanolproduktion und Sojabohnen
zur Herstellung von Biodiesel. Die Forscher haben - um die Dynamik
der Landnutzungsänderung zu untersuchen - mit einem Simulationsmodell
gearbeitet.
Problem fehlender Anbauflächen
Momentan werden 55.000 Quadratkilometer Zuckerrohr und 191.000
Quadratkilometer Soja angebaut. Wenn die Biosprit-Produktion bis
2020 das geplante Ziel erreicht, kommen noch 57.200 Quadratkilometer
für Zuckerrohr hinzu. Bei Soja würden es sogar 108.100
Quadratkilometer mehr sein", so Studien Co-Autor Rüdiger
Schaldach im
pressetext-Interview.
Die Biotreibstoffe würden zu 88 Prozent auf ehemaligen Viehweiden
angebaut werden. Die Rinderfarmer müssten sich dann jedoch
neues Terrain suchen. Dazu müssten bis 2020 rund 121.000
Quadratkilometer neue Waldflächen gerodet werden. Für
die Kohlenstoffbilanz bedeutet das ein Debit von rund 44 (aus
Zuckerrohr) und 250 (aus Soja) Jahren im Vergleich zur Nutzung
fossiler Brennstoffen.
Landwirtschaftliches Basisszenario als Ausgangspunkt
"Unsere Untersuchungen beziehen auch ein ökonomisches
Agrarmodell für ein Basisszenario mit ein, das die Nahrungs-
und Futtermittelproduktion des Zuckerrohrs und der Sojabohne betrachtet",
so Schaldach. "Ein Fakt wird in der ganzen Studie allerdings
deutlich", betont der Wissenschaftler. Auch bei der Produktion
von Biotreibstoffen sei ein nachhaltiges Handeln möglich.
"Wir haben auch die Nutzung anderer Biotreibstoffe untersucht,
um festzustellen, welche der Alternativen unter energetischen
Gesichtspunkten weniger problematisch sind, wobei mögliche
ökologische Konsequenzen ausgeklammert wurden", erklärt
der Wissenschaftler.
Die modellierte Dichte an Viehbestand wird um 0,09 Tiere pro
Hektar zunehmen. "Eine Erhöhung von 0,13 Tiere pro Hektar,
könnte die indirekte Landnutzungsänderung durch die
Biotreibstoffe verhindern und dennoch sowohl die Nachfrage nach
Nahrungsmitteln als auch Biotreibstoff decken", so der Forscher.
In Zukunft sollte eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Institutionen,
die für Biotreibstoffe stehen und jenen, die die Rinderfarmen
betreiben, forciert werden. Nur so könne man effektiv CO2
einsparen, erklärt Schaldach abschließend.
Quelle: pressetext.deutschland (10.02.2010) |