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Schnecken gegen Hungersnot - Nigerianische
Expertin rät zum Verzehr von Weichtieren
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| Weinbergschnecke: Nicht nur in
Frankreich eine Delikatesse (Foto: Joujou / pixelio.de) |
Eine nigerianische Ernährungsberaterin rät ihren Landsleuten
zum Verzehr von Landschnecken. Diese könnten eine geeignete
Maßnahme gegen Unterernährung sein. Besonders Kinder
könnten vom eisenreichen Nahrungsmittel profitieren. Die
Studienergebnisse wurden im Fachmagazin "International Journal
of Food Safety, Nutrition and Public Health" publiziert.
Ukpong Udofia vom Department of Home Economics an der Universität
Uyo hat den Nährwert der Schnecken genau untersucht und festgestellt,
dass die Tiere reich an Proteinen, mehrfach ungesättigten
Fettsäuren, Eisen, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kupfer,
Zink, den Vitaminen A, B6, B12, K und Folsäure sind. Zudem
haben Schnecken höhere Werte der beiden Aminosäuren
Arginin und Lysin als ein ganzes Ei. Der hohe Protein-, aber niedrige
Fettgehalt machen die Schnecken zu einer gesunden alternativen
Nahrung.
Hemmungen aufgrund von Tabugrenzen
"Gute Nährwerte machen ein Nahrungsmittel noch nicht
zum Renner", meint die Ernährungsexpertin und Leiterin
des futurefoodstudio, Hanni
Rützler, im pressetext-Interview. Dass Frankreich eine
lange Tradition habe, Schnecken zu servieren, sei eine "exotische
Ausnahme". Mit dem neuen Trend zurück zu traditionellen
und regionalen Spezialitäten könnte die Landschnecke
tatsächlich reüssieren.
Ausschlaggebend für den Erfolg sei aber letztlich die Frage
des Tabus, die zu einer Hürde beim Durchsetzen mancher Nahrungsmittel
führe. "Wenn in verschiedenen afrikanischen Ländern,
Schnecken am Speiseplan standen, könnte das zu einem Revival
führen", so Rützler. Habe es dies allerdings nie
gegeben, stoße der Verzehr von Schnecken möglicherweise
an Tabugrenzen. Dass vereinzelt Gourmetköche in aller Welt
Mahlzeiten aus exotischen Ausgangsprodukten zubereiten, habe für
die Allgemeinbevölkerung meist nicht den Effekt des Türöffners.
Gutes Ergebnis im Testlauf
Udofia hat jungen Müttern und Kindern zwei verschiedene
im Ofen gebackene Pasteten-Gerichte, eines mit den Landschnecken
Archachatina marginata, ein zweites mit Rindfleisch zum Kosten
gegeben. Die meisten bevorzugten das Gericht mit den Schnecken,
berichtet die Ernährungsforscherin, die zudem die Mütter
über den hohen Nährwert des Gerichts informierte.
Eisenmangel und zuwenig Proteine machen vor allem jungen Müttern
und ihren Kindern in vielen Entwicklungsländern wie etwa
Nigeria zu schaffen. Nach Berichten der WHO führen diese
Mängel zu schweren gesundheitlichen Schäden. Eine Lösung
dieser Probleme ist nicht in Sicht. Die einzige Hilfe wäre
eine alternative eiweißreiche Nahrung.
Afrikanische Landschnecke als Schädling
Die Sorge, dass die Bestände der Landschnecke gefährdet
sind, gibt es nicht. In den meisten afrikanischen Ländern
ist die Schnecke weit verbreitet. Ökologen ist das Tier auch
ein Begriff, denn die Achatschnecken - zu der auch A. marginata
gehört - wurden von Gourmets in einige Länder importiert
und entwickelten sich dort zur Landplage. Die bis zu zwölf
Zentimeter großen Schnecken können bis zu fünf
Jahre alt werden und legen im Jahr bis zu 2.000 Eier.
Die Schnecken sind Allesfresser, bevorzugen allerdings pflanzliche
Nahrung. Die Tiere konnten sich überall auf der Welt etablieren,
wo das Nahrungsangebot und die Witterungsbedingungen das Überleben
ermöglichen. Inzwischen ist die Schnecke in den USA, in China,
Taiwan, Brasilien, nahezu allen Inseln im Pazifik und im Indischen
Ozean heimisch.
Quelle: pressetext austria (20.11.2009) |