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Arme Bauern retten Kartoffel der Welt - Klimaänderungen
setzen Kulturpflanzen stark zu
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| Beliebtes Nahrungsmittel - Kartoffeln
frisch vom Markt (Foto: pixelio.de / Michael Hirschka) |
Die Quechua-Indianer von Peru verfügen über die weltgrößte
Sammlung von Kartoffelsorten und könnten damit die Kartoffelbestände
der ganzen Welt retten. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht in
der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins New Scientist. Die
indigene Bevölkerung des südamerikanischen Staates leistet
im nun gegründeten globalen Fonds im Rahmen des internationalen
Vertrags
über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung
und Landwirtschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzen einen wesentlichen
Beitrag. Danach sollen die armen Bauern zu den Wächtern der
traditionellen und weltweit gefährdeten Kulturpflanzen werden.
Dafür erhalten sie aus dem Fonds finanzielle Mittel.
Seit Jahrhunderten pflegen die Quechuas ihre Kartoffelvarietäten,
die an die Temperaturen in verschiedenen Höhenlagen und Klimate
angepasst sind. Wenn der Kartoffelanbau in verschiedenen Regionen
der Erde versagen sollte, gibt es in Peru die Möglichkeit,
eine oder mehrere dieser Kartoffelsorten zu holen und sie weiterzuzüchten.
Diese Rückversicherung ist das Ziel des Fonds. Ein weiteres
Ziel ist es, die bisher vernachlässigten oder nur selten
verwendeten Nahrungspflanzen für die Nachwelt zu erhalten.
Das internationale Vertragswerk, das bereits 2001 beschlossen
wurde, aber erst zwei Jahre später in Kraft trat, war immer
wieder Anlass zu Streitigkeiten unter den 120 Vertragspartnerstaaten.
Uneinig war man sich in erster Linie darüber, wer wieviel
in den Fonds einzahlen sollte. Anfang Juni haben sich die reichen
Staaten bei einer Konferenz in Tunis darüber geeinigt, den
116 Mio.-Dollar Benefit-Sharing-Fund, der unter anderem auch das
Kartoffelprojekt in Peru unterstützt, in einem Fünf-Jahres-Plan
zu finanzieren. Konkret werden jene Projekte gefördert, die
Bauern dazu animieren, traditionelle Sorten anzupflanzen anstatt
auf profitablere kommerzielle umzusteigen.
"Die Idee ist, möglichst viele Variationen für
die Sicherstellung der Ernährung zu haben wie nur irgendwie
möglich", meint Bernt Visser vom niederländischen
Zentrum für genetische Ressourcen in Wageningen. Der
Schwerpunkt liege auf kleinen bäuerlichen Betrieben. "In
Peru geht es darum, früh genug auf den Klimawandel mit höheren
Temperaturen und Veränderungen der Niederschläge zu
reagieren." Ein Teil des Vertrages habe auch die Schaffung
der mittlerweile größten Pflanzengenbank in Spitzbergen
geführt, in der rund 1,1 Mio. Proben lagern. "Der neue
Fonds will nun auch jenen Pflanzensorten Rechnung tragen, die
nur durch jährliches Anbauen erhalten werden können."
Norwegen, Spanien, Italien und die Schweiz haben bereits je 500.000
Dollar an den Fonds bezahlt, mit denen elf Projekte gefördert
werden.
"Genbanken sind immer nur eine Notlösung, keine Perspektive",
meint Peter Zipser, Obmann der Arche
Noah, der Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt
und ihrer Entwicklung, im pressetext-Interview. Die Arche Noah
hat mit mehr als 6.500 Spezies die größte Gemüsesammlung
Europas. "Prinzipiell ist es natürlich etwas Gutes,
gefährdete Arten zu sichern", so Zipser. Allerdings
sei dies nur die zweitbeste Lösung. "Pflanzen müssen
in die Natur, denn nur dort behalten sie den Bezug zum Menschen
und zur Umwelt." Das sei sowohl bei Nutzpflanzen als auch
bei anderen Gewächsen notwendig. Ein anderes Problem der
großen Genbanken sei ihre eigene Sicherheit: Aufgrund des
Zusammenbruchs der Sowjetunion ist die größte Sammlung
an Pflanzen zu einer Rumpfsammlung verkommen. "Die finanziellen
Aufwendungen einer Genbank sind hoch und daher spielt die Finanzierung
eine große Rolle." Zipser steht auch Private-Public-Ownership-Modellen
von Genbanken skeptisch gegenüber. "Denn hier sind der
Biopiraterie großer Saatguthersteller Tür und Tor geöffnet."
Quelle: pressetext austria (15.06.2009) |