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Westantarktis war in Warmzeiten eisfrei
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| Das Ross Schelfeis mit der Bohrstelle
(vergrößert) vom "Observation Hill" (Höhe:
230 m) bei der Antarktisstation McMurdo aufgenommen. (Foto:
Gerhard Kuhn, Alfred-Wegener-Institut) |
Die Eiskappe der Westantarktis ist vor drei bis fünf Millionen
Jahren offenbar wiederholt vollständig abgeschmolzen. Wie
die Fachzeitschrift nature in ihrer neuesten Ausgabe (Vol. 458)
berichtet, sind diese regelmäßigen Abschmelzphasen
durch die Veränderungen der Neigung der Erdachse in Zeiten
erhöhter CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre ausgelöst
worden. Dies ergab die Analyse eines Sedimentkerns, der 2006 im
Rahmen des internationalen Bohrprojekts ANDRILL (ANtarctic geological
DRILLing) mit deutscher Beteiligung unter dem antarktischen Ross-Schelfeis
gebohrt wurde.
An den Untersuchungen des Bohrkerns waren fünf Geowissenschaftler
vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
in der Helmholtz-Gemeinschaft beteiligt. Die Gruppe um Dr. Frank
Niessen und Dr. Gerhard Kuhn liest aus den Daten, dass in der
Antarktis vor 3,5 Millionen Jahren offene Ozeanbedingungen mit
Algenblüten über einen Zeitraum von etwa 200.000 geherrscht
haben. "Das Brisante daran ist, dass das westantarktische
Eis sich besonders in den Zeiten zurückgezogen hatte, in
der es auf der Erde etwa drei Grad Celsius wärmer war als
heute, bei einem höheren CO2-Gehalt in der Atmosphäre",
erklärt Niessen. "Bei der zu erwartenden Erwärmung
der Erde um bis zu drei Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts
müssen wir die Ergebnisse aus der Antarktis als Warnung werten,
dass sich die Eiskappe in der Westantarktis mit den vorgelagerten
Schelfeisen in den folgenden Jahrhunderten instabil verhalten
könnte", so Niessen weiter.
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| Der ANDRILL Bohrturm auf dem Ross-Schelfeis.
(Foto: Frank Niessen, Alfred-Wegener-Institut) |
Die von Paläontologen im Sediment gefundenen Mikroorganismen
deuten darauf hin, dass die Wassertemperaturen im antarktischen
Sommer zeitweise deutlich über dem Gefrierpunkt gelegen haben.
Nach dieser Warmphase stieß das Eis in Zyklen von 40.000
Jahren immer wieder mit einer Mächtigkeit bis zum Meeresboden
in die Ross-Bucht vor, bis es in der nächsten Warmphase wieder
abschmolz. "Die von uns im Bohrkern gefundenen Abfolgen von
Algenresten und Gletscherablagerungen aus den letzten fünf
Millionen Jahren decken sich zeitlich mit weltweit vorliegenden
Ergebnissen aus vielen Bohrungen in der Tiefsee, die auf Schwankungen
des globalen Meeresspiegels schließen lassen und mit den
Veränderungen der Erdbahnparameter übereinstimmen",
erläutert Kuhn. "Beim Abschmelzen der heute in der Westantarktis
liegenden Eismasse würde der globale Meeresspiegel um fünf
bis sieben Meter ansteigen", so Kuhn weiter. An der Untersuchungsstelle
schwimmt heute ein 80 Meter dickes Schelfeis auf der Ross-Bucht.
Die Rekonstruktionen aus dem Bohrkern werden mit Hilfe von Eisdicken-Modellrechnungen
bestätigt und konkretisiert. Eine in derselben Ausgabe von
nature erscheinende Publikation errechnet als Konsequenz der wärmeren
Ozeantemperaturen an der ANDRILL-Bohrstelle ein wiederholtes Kollabieren
der westantarktischen Eiskappe, während sich die Ostantarktis
relativ stabil verhielt.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (19.03.2009) |