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Warnung vor Risiken der globalen Erwärmung
- Selbst geringfügiger Temperaturanstieg sorgt für heftige
Folgen
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| Der Aletschgletscher in den Schweizer
Alpen; deutlich ist der ehemalige Eisrand zu sehen. (Foto:
Tobias Bossert /pixelio.de) |
Die Risiken der negativen Auswirkungen des Klimawandels
auf Mensch und Natur müssen heute höher eingeschätzt
werden als noch vor einigen Jahren. Zu dieser Schlussfolgerung
kommt ein internationales Forscherteam, dem auch Hans-Martin Füssel
vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK
angehört. In einem nun erschienenen Artikel im Fachmagazin
"Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS)
kommt das Expertenteam zum Schluss, dass die Risiken bereits bei
einer geringen weiteren Erwärmung über das Niveau von
1990 deutlich zunehmen.
Füssel erklärt gegenüber pressetext, dass viele
Ökosysteme, wie etwa tropische Korallenriffe, empfindlicher
auf die globale Erwärmung und den Anstieg der CO2-Konzentration
reagieren als noch im dritten Sachstandsbericht des IPCC von 2001
angenommen wurde. "Wir haben drei wesentliche Informationsquellen",
erklärt Füssel. Zum Einen sind es Messungen von Temperaturen,
Eisdichten, Schmelzvorgänge von Gletschern, Eisschilden und
dem Meereis, aber auch Beobachtungen von Veränderungen in
Ökosystemen. Zum Anderen sind es Analysen von vorhandenen
Daten, die Aufschluss darüber geben, wie stark der menschliche
Einfluss zur beobachteten Veränderung beiträgt. "Einschlägige
Studien zeigen zum Beispiel, dass die Hitzewelle 2003 ohne menschliches
Zutun kaum erklärbar ist", so Füssel. "Die
dritte Informationsquelle sind die wesentlich verbesserten Modellrechnungen,
die mehr Prozesse berücksichtigen als jene von 2001."
Diese Modellrechnungen zeigen, dass sich Wetterextreme stärker
verändern werden als klimatische Mittelwerte, da auch die
Variabilität des Klimas zunimmt.
Der Treibhausgas-Ausstoß und der beobachtete globale Temperaturanstieg
in den vergangenen Jahren liegen im oberen Bereich der Prognosen
des IPCC. "Wenn die damit verbundenen Risiken höher
zu bewerten sind, ist auch die Dringlichkeit größer,
den Treibhausgas-Ausstoß zu verringern und besonders betroffene
Regionen bei der Bewältigung der nicht mehr vermeidbaren
Folgen des Klimawandels zu unterstützen", folgert Füssel.
Dies sei auch eine Frage der Gerechtigkeit, da viele der Länder
mit dem geringsten Ausstoß von Treibhausgasen besonders
stark vom Klimawandel betroffen sein werden.
Eine der fünf "begründeten Klimasorgen",
die in dem PNAS-Artikel betrachtet werden, betreffe einzigartige
Ökosysteme wie etwa Korallenriffe, polare und alpine Ökosysteme
und tropische Regenwälder. "Viele Tier- und Pflanzenarten
dort sind sehr spezialisiert und können sich an die Klimaänderung
nicht schnell genug anpassen. Betroffen sind aber auch wir Menschen,
insbesondere indigene Völker und die Bewohner von Inselstaaten",
führt Füssel aus. "Das Risiko extremer Wetterereignisse
wie Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren oder tropischen
Wirbelstürmen nimmt in vielen Weltregionen ebenfalls deutlich
zu."
Der Treibhausgas-Ausstoß könnte das Klimasystem der
Erde über kritische Grenzen hinaus belasten, sodass wichtige
Prozesse im Gesamtgefüge "kippen" und von da an
grundsätzlich anders ablaufen, warnen die Forscher. Beispiele
sind das Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes,
eine großflächige Versteppung des Amazonas-Regenwaldes
oder die Schwächung des Nordatlantikstromes. Die Studienautoren
um Joel Smith von Stratus Consulting und Stephen Schneider von
der Stanford University in Kalifornien stützen sich auf Beobachtungen
bereits eintretender Folgen der globalen Erwärmung und auf
das verbesserte Verständnis wichtiger Prozesse des Klimasystems.
Drei der Verfasser des aktuellen Artikels sind auch maßgebliche
Autoren des Kapitels des IPCC-Berichts von 2001, in dem die fünf
begründeten Klimasorgen erstmals beschrieben wurden.
Begründete Klimasorgen:
Risiko für einzigartige und bedrohte Systeme: Korallenriffe,
bedrohte Tier- und Pflanzenarten, seltene und besonders artenreiche
Lebensräume, Inselstaaten, tropische Gletscher oder indigene
Bevölkerungsgruppen könnten erheblichen Schaden nehmen
oder unumkehrbar zerstört werden.
Risiko extremer Wetterereignisse: Häufigkeit,
Stärke und Folgeschäden von extremen Wetterereignissen
wie Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren oder tropischen
Wirbelstürmen nehmen zu.
Verteilung der Auswirkungen: Unterschiedliche
Regionen, Länder und Bevölkerungsgruppen sind unterschiedlich
schwer von Klimafolgen betroffen. Die ärmsten Länder,
die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, sind häufig
überdurchschnittlich stark betroffen und am wenigsten in
der Lage, sich vor seinen Folgen zu schützen.
Zusammengefasste Schäden: Unterschiedliche
Klimafolgen können nach einem Maß wie etwa dem finanziellen
Schaden oder der Anzahl betroffener Menschen bemessen werden.
In der vorliegenden Literatur wurden die Auswirkungen des Klimawandels
häufig in Form des zu erwartenden finanziellen Schadens zusammengefasst.
Risiko grundlegender Veränderungen im Erdsystem:
Der Treibhausgas-Ausstoß könnte das Klimasystem der
Erde über kritische Grenzen hinaus belasten, sodass wichtige
Prozesse im Gesamtgefüge „kippen“ und von da
an grundsätzlich anders ablaufen. Beispiele sind das Abschmelzen
des Grönländischen Eisschildes, eine großflächige
Versteppung des Amazonas-Regenwaldes oder die Schwächung
des Nordatlantikstromes.
Quelle: pressetext austria (25.02.2009) |