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Neumayer-Station III nimmt den wissenschaftlichen
Betrieb auf - höchste Priorität für den Umweltschutz
Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan weihte
am 20. Februar die Neumayer-Station III ein. Die neue deutsche
Forschungsbasis nimmt damit ihren wissenschaftlichen Betrieb auf.
Sie liegt 6,5 Kilometer südlich der alten Neumayer-Station
auf dem Ekström-Schelfeis im Dronning Maud Land in der Antarktis.
Die Station dient als Basis für die wissenschaftlichen
Observatorien sowie als logistisches Zentrum für Inlandexpeditionen
und Polarflugzeuge. In einer Bauzeit von insgesamt sieben Monaten
hat das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
in der Helmholtz-Gemeinschaft die Neumayer-Station III über
zwei antarktische Sommersaisons errichtet. Sie bietet Platz für
maximal 40 Personen. Neun Personen stellen den ganzjährigen
Betrieb der Station sicher. Das rund 40 Millionen Euro teure Bauwerk
ist über die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) langfristig bereitgestellten Mittel für Polarforschung
finanziert und im Rahmen des Internationalen Polarjahres realisiert
worden.
Deutsche Antarktisforschung seit 1981
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Luftaufnahme der Neumayer-Station
III
(Foto: Ude Cieluch, Alfred-Wegener-Institut) |
Seit 28 Jahren betreibt das Alfred-Wegener-Institut ganzjährig
eine Forschungsstation in der Antarktis. Benannt nach dem deutschen
Polarforscher Georg von Neumayer wurde 1981 die Erste, die Georg-von-Neumayer-Station
in Betrieb genommen. 1992 wurde sie durch die Neumayer-Station
ersetzt, die wie ihre Vorgängerstation eine Röhrenkonstruktion
war. Durch einen jährlichen Schneezutrag von etwa 80 Zentimetern
liegt die Neumayer-Station mittlerweile 15 Meter unter der Schneeoberfläche.
Durch die Bewegung und den Druck des Eises sind die Stahlröhren
stark verformt, so dass ein sicherer Betrieb ist nicht länger
gewährleistet ist. Deshalb wurde der Neubau notwendig.
"Als erste Forschungsstation in der Antarktis besteht die
Neumayer-Station III aus einem kombinierten Gebäude auf einer
Plattform oberhalb der Eisoberfläche, verbunden mit einer
in den Schnee gebauten Garage", erklärt Dr. Hartwig
Gernandt, Leiter der Logistik und Hauptverantwortlicher für
den Bau am Alfred-Wegener-Institut. Eine wesentliche technische
Innovation ist die Möglichkeit, den wachsenden Schneezutrag
mit Hilfe hydraulischer Hebevorrichtungen zu kompensieren. Die
Station steht auf 16 Stützen und kann als Ganzes angehoben
werden, um den Schneezutrag auszugleichen. "Die Lebenszeit
der Station wird damit deutlich länger, sie wird mindestens
für die nächsten 25 bis 30 Jahre betriebsfähig
bleiben", so Gernandt weiter. Durch die Nutzung des Eises
als Fundament kann die Station bei Bedarf vollständig rückgebaut
werden und erfüllt damit eine wichtige Forderung des Umweltschutz-Protokolls
für die Antarktis.
Nicht bei dem Bau und dem Bauwerk sondern auch beim Betrieb werden
für den Umweltschutz die höchsten Standards berücksichtigt.
Für den sicheren Betrieb im antarktischen Winter sind Dieselgeneratoren
unerlässlich. Ein Dieselaggregat von 160 Kilowatt elektrischer
und 190 Kilowatt thermischer Leistung versorgt die Station mit
Strom. Ein Regelkreis steuert die bestmöglichste Ausnutzung
der verfügbaren Energie. Die entstehende Abwärme wird
für Heizung, Schneeschmelze und Warmwasseraufbereitung genutzt.
Insgesamt vier dieser Aggregate, drei Stück im Wechselbetrieb
sowie ein Aggregat als Notstromversorgung, stehen an der Station
als Blockheizkraftwerk zur Verfügung. Seit Ende Januar 2009
liefert eine Windkraftanlage mit 30 Kilowatt zusätzlich Energie
in den Regelkreis der Station. In den nächsten Jahren werden
schrittweise vier weitere Windkraftanlagen hinzukommen, die den
Kohlendioxid-Ausstoß auf ein Minimum reduzieren werden.
Internationale Zusammenarbeit - Position 70° 40'
S - 008° 16' W
"Die Neumayer-Station III schafft die Vorraussetzungen für
langfristige Forschung und ist ein wichtiger Bestandteil der internationalen
wissenschaftlichen und logistischen Zusammenarbeit in der Antarktis",
erklärt Prof. Dr. Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts.
"Für die nachfolgende Generationen deutscher und ausländischer
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird die Station eine
hervorragende Forschungsplattform sein", freut sich Lochte.
Per Satellitenverbindung ist die Station an das weltweite Kommunikationsnetz
angeschlossen. Die Standleitung gewährleistet die Übertragung
der wissenschaftlichen Daten der Observatorien zum Alfred-Wegener-Institut
und in die weltweiten Messnetzwerke. Darüber hinaus ermöglicht
sie die Kommunikation der Station per E-Mail und Telefon und stellt
für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Zugang
zum Internet sicher.
Wissenschaftliche Langzeitmessreihen in der Antarktis
Seit 1981 liefert das meteorologische Observatorium der Neumayer-Station
für die Klimaforschung entscheidende Daten. Die an der Station
gewonnene Messreihe aus Ballonaufstiegen mit Ozonmessgeräten
hat für die Erforschung des Ozonlochs über der Antarktis
einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Strahlungsmessungen
der Neumayer-Station werden in einem vom Alfred-Wegener-Institut
geleiteten internationalen Messnetz für die Klimaforschung
aufbereitet. Weiterhin dient die Station mittlerweile als Wettervorhersagezentrum
für das gesamte Dronning Maud Land. 1982 wurde das geophysikalische
Observatorium in Betrieb genommen. Hier werden die Langzeitveränderungen
des magnetischen Feldes der Erde gemessen und lokale sowie weltweit
verteilte Erdbeben kontinuierlich erfasst. Seit 1983 werden am
Spurenstoffobservatorium klimawirksame Gase wie Wasserdampf, Kohlendioxid,
Methan und Ozon gemessen. Diese Observatorien liefern für
die Antarktis zum Teil einmalige Datenreihen. Die Infraschallanlage
IS27 dient seit 2002 zur Überwachung der Einhaltung des Vertrages
über ein umfassendes Verbot von Nuklearversuchen. Seit 2005
steht nördlich der Neumayer-Station III an der Schelfeis-Kante
das Observatorium für Unterwasserakustik PALAOA (Perrenial
Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean). Mit PALAOA wird
das natürliche Geräuschspektrum des Antarktischen Ozeans
aufgezeichnet sowie das Verhalten von Meeressäugern untersucht.
Antarktisstation "Made in Bremerhaven"
Die ersten Überlegungen für die neue Forschungsstation
begannen bereits 1999. Nach einer Planungsphase von fünf
Jahren wurde das Bauvorhaben im Juli 2004 auf dem internationalen
Antarktiskongress in Bremen bekannt gegeben. Im Januar 2005 reichte
das Alfred-Wegener-Institut eine Umweltverträglichkeitsstudie
beim Umweltbundesamt ein, welche auch die Rückführung
der alten Neumayer-Station beinhaltete und nach internationaler
Begutachtung im Oktober des gleichen Jahres genehmigt wurde. Mit
der Vertragsunterzeichnung mit dem Firmenkonsortium J.H. Kramer
Stahlbau und Kaefer Isoliertechnik, der ARGE Neumayer III, begann
im Dezember 2006 die Fertigung der Neumayer-Station III.
Die Station wurde zum Großteil in Bremerhaven gefertigt
und teilweise vormontiert. Im Dezember 2007 hat das dänische
Frachtschiff Naja Arctica rund 3000 Tonnen Material von Bremerhaven
in die Antarktis transportiert. Eine schwere Packeisbarriere verhinderte
Mitte Dezember das Anlegen der Naja Arctica an der Schelfeiskante
am Ekström-Schelfeis. Der vom Alfred-Wegener-Institut betriebene
Forschungseisbrecher Polarstern brach die Eisbarriere so dass
Mitte Januar mit der Entladung begonnen werden konnte. Trotz dieser
Verzögerung war bis zum Ende der Sommersaison im März
2008 die gesamte Garagensektion mit den 16 hydraulischen Hebevorrichtungen
montiert - das passende Winterlager für einen Teil der Baumaschinen
und das Material. In der zweiten Bauphase, ab Anfang November
2008, wurde mit der Montage der über dem Eis stehenden Plattform
begonnen. In diesem Bauabschnitt montierten die Arbeiter den gesamten
Stahlbau, die Außenhülle sowie die aus 100 Containermodulen
aufgebauten Etagen mit den wissenschaftlichen Laboren, Wohnräumen,
Sanitäranlagen, dem Hospital und der Messe. Für die
Unterbringung der rund 50 Arbeiter stand 300 Meter südlich
der Baustelle ein eigenes Baucamp zur Verfügung. Dieses Baucamp
ist inzwischen abgebaut worden.
Die technischen Daten:
Gesamtgewicht: 2.300 Tonnen
Stationscontainer: 100 Stück (Deck 1 und 2)
Breite: 26 Meter
Länge: 68 Meter
Gesamthöhe: 29 Meter (Garagenboden bis Dach der Ballonfüllhalle)
Höhe der Station: 21 Meter (ab Eisoberfläche)
Stützenfreiraum unter der Plattform: 6 Meter
Nutzfläche: 4.473 m2, davon 1.850 m2 klimatisiert
Energieversorgung: 3 Dieselaggregate mit je 160 kW, 1 Notstromaggregat
mit 160 kW, 1 Windkraftanlage mit 30 kW
Unterkünfte: 15 Räume, 40 Betten
Labore und Büros: 12 Räume
Winterpersonal: 9 Personen
Bauzeit: 7 Monate
Bauausführung: ARGE Neumayer III: J.H.Kramer Stahlbau/Kaefer
Isoliertechnik
Bauherr: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (20.02.2009) |