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Wird der Golfstrom zu süß? - Kieler
Meeresforscher untersuchen Klimasignale in der Karibik
Können schmelzende Gletscher und heftige Niederschläge
in Europa den Golfstrom schwächen? Dieser Frage wollen Kieler
Meereswissenschaftler in den kommenden Wochen nachgehen. Dazu
starten sie mit dem Forschungsschiff METEOR eine Expedition zur
Wiege von "Europas Fernheizung" in der Karibik.
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Der Nordäquatorialstrom bringt
relativ salzarmes Wasser von Süden in die Karibik hinein.
Dort verdunstet so viel Wasser, dass der Golfstrom die Karibik
im Norden relativ salzig verlässt. Doch auch Flüsse
wie der Orinoko und der Mississippi beeinflussen mit Süßwasser
das System - und damit auch das Klima in Nordeuropa.
(Grafik: IFM-GEOMAR)
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Salz ist ein wichtiger Treibstoff des Golfstroms. Erreicht das
Wasser der Meeresströmung arktische Regionen und kühlt
ab, ist es dank seines hohen Salzgehaltes deutlich schwerer als
das Wasser der Umgebung. Dadurch sinkt das Golfstromwasser auf
den Meeresgrund und fließt dort Richtung Äquator zurück.
Ein riesiger Kreislauf entsteht, der ohne das Absinken des schweren,
salzhaltigen Wassers zum Stillstand käme. Doch im Zuge der
Klimaerwärmung gelangt immer mehr Süßwasser ins
Meer, weil Gletscher abschmelzen und Niederschläge zunehmen.
Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften
(IFM-GEOMAR) wollen nun klären, ob diese Versüßung
des Atlantikwassers ausreichen könnte, um den Wasserkreislauf
zu schwächen. "Dazu müssen wir wissen, wie leistungsfähig
die Salzküche des Golfstroms ist", erklärt Dr.
Joachim Schönfeld vom IFM-GEOMAR. Diese Salzküche liegt
am Ursprung des Stroms, in der Karibik. Dr. Schönfeld und
seine Kieler Kollegen starten deshalb am 21. Februar eine fünfwöchige
Expedition mit dem Forschungsschiff METEOR, die auf den Spuren
des Golfstromsalzes von Colon in Panama durch den Golf von Mexiko
bis zur Mündung des Orinoko in Venezuela führen wird.
Starke Sonneneinstrahlung lässt in dieser Region viel Wasser
verdampfen. Das Wasser, das zwischen Florida und Kuba die Karibik
als Golfstrom verlässt, ist deshalb viel salziger, als das
Wasser, das im Süden in die Karibik hineinfließt. Gleichzeitig
schwächen schon dort Flüsse wie der Orinoko und der
Mississippi den späteren Strömungsmotor. Um die Bedeutung
all dieser Faktoren für das Funktionieren von "Europas
Fernheizung" besser einschätzen zu können, werden
die Kieler Wissenschaftler entlang der Expeditionsroute Temperatur
und Salzgehalt des Oberflächenwassers messen. Biologische
Untersuchungen am Plankton und an Lebewesen vom Meeresboden sowie
akustische Vermessungen des Meeresbodens lassen Einblicke in die
Umweltbedingungen in der Karibik zu.
"Außerdem wollen wir untersuchen, wie sich die Einflüsse
auf den Golfstrom seit der letzten Eiszeit verändert haben",
erklärt Dr. Schönfeld. Dazu werden die Wissenschaftler
auch Sedimentproben entlang der Route nehmen, an denen sie die
Entwicklung der Umweltbedingungen seit mehreren tausend Jahren
verfolgen können. "Nur wenn wir genau wissen, wie zuverlässig
und unter welchen Bedingungen das salzreiche Wasser in der Karibik
produziert wird, können wir vorhersagen, ab wann Süßwasser
im Nordatlantik eine Gefahr für den Golfstrom ist",
betont Dr. Schönfeld.
Hintergrund:
Die METEOR-Expedition mit der Nummer M 78/1 beginnt am 21. Februar
2009 im Hafen von Colon (Panama) und endet am 28. März 2009
im Hafen von Port of Spain (Trinidad and Tobago). Die Fahrtroute
führt zunächst nach Norden in den Golf von Mexiko, an
der Nordküste von Kuba entlang und zwischen Kuba und Haiti
hindurch wieder nach Süden bis vor das Mündungsdelta
des Orinoko. Dabei legt die METEOR rund 5200 Seemeilen zurück.
Unter der wissenschaftlichen Fahrtleitung von Dr. Joachim Schönfeld
(IFM-GEOMAR) sind neben Kieler Meereswissenschaftlern auch Forscher
der Universität Tübingen, der Universität Erlangen
und der Universität Hamburg sowie Wissenschaftler des National
Oceanography Centre, Southampton (Grossbritannien), des Institute
of Marine Affairs (Trinidad und Tobago), der Universidad de Oriente
und des Instituto Oceanográfico de Venezuela (Venezuela)
und der University of South Florida (USA) an Bord.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (16.02.2009) |