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Tequila-Boom verursacht ökologische Krise
- Negative Folgen für soziale Strukturen und Umwelt in Mexiko
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| Agaven für Tequila wachsen
nicht mehr beim Bauern, sondern auf industriellen Flächen
(Foto: Sarah Browen) |
Die weltweit steigende Nachfrage nach Tequila beschert den mexikanischen
Anbauregionen eine ökologische und soziale Krise. Das ergibt eine
Studie der New North
Carolina State University, die den mit dem Boom verbundenen
Wandel der Produktionsstrukturen problematisiert. Neben einer
Auslaugung der Böden schaffen diese auch soziale Probleme. Damit
sei bewiesen, dass eine Herkunftsbezeichnung eines Produkts allein
nicht dessen soziale oder ökologische Nachhaltigkeit garantiere,
so die Studienautorin Sarah Bowen.
Tequila wird ausschließlich aus der blauen Weber-Agave hergestellt,
die frühestens nach sechs Jahren geerntet werden kann. Das Innere
der Agave wird in Öfen unter Dampf gegart, zerkleinert und gepresst,
bevor der erhaltene Sirup weiterverarbeitet und destilliert wird.
Weltweite Bestimmungen der Herkunftsbezeichnung sichern, dass
Anbau und Verarbeitung der Agave nur im mexikanischen Bundesstaat
Jalisco und in vier anderen Regionen des Landes geschehen darf.
Die Markenbildung hatte Erfolg: Seit 1994 boomt die Tequilaindustrie
und vervierfachte bis 2007 die Produktion auf derzeit rund 300
Mio. Liter pro Jahr.
Kaum beachtet werden bisher jedoch die negativen Folgen dieser
explodierenden Nachfrage. Die Industrie lässt sich nicht mehr
von unabhängigen Bauern beliefern, sondern betreibt nun in großem
Stil eigene Agavenpflanzungen auf neu geschaffenen Böden. "Diese
Flächen waren zuvor meist tropische Wälder oder Laubwälder, in
regenreichen Gebieten", betont Studien-Mitautorin Ana Valenzuela,
Ethnobiologin an der Universität
Guadalajara im pressetext-Interview. Die intensive Agavenanbau
und der Einsatz von Herbiziden lauge den Boden aus. Das geschehe
auch bei schon zuvor landwirtschaftlich genutzten Flächen, da
eine Rotation der Bepflanzung, die Belassung nötiger Zwischenzonen
sowie eine Bodenbedeckung fehle.
Seit dieser Produktionsumstellung kam es zu großen Unregelmäßigkeiten
in der Versorgung sowie im Preis der Agaven. Bowen und Valenzuela
zeigten, dass hinter diesen Entwicklungen neben der langen notwendigen
Wachstumszeit auch der Befall der Agaven mit Schädlingen und Krankheiten
stehen. "Denn gleichzeitig gingen auch traditionelle Praktiken
der Bauern wie etwa das Zurückschneiden der Agavenpflanze zur
Reduktion der Schädlingen verloren. Die Industrie versucht, sie
durch Pestizide und andere Chemikalien in den Griff zu bekommen",
erklärt Valenzuela. Die Industrie wie auch die mexikanischen Behörden
hätten bisher kaum auf die Forschungsergebnisse reagiert, so die
mexikanische Tequila-Expertin.
Bowen weist auf die sozialen Konsequenzen des Wandels hin. "Damit
untergräbt die Tequila-Produktion heute die soziale, auf Agavenanbau
beruhende Verankerung der Region. Sie drängt dadurch unabhängige
Agavenfarmer und Arbeiter ins Abseits." Normen zur Herkunftsbezeichnungen
alleine würden somit kaum zum Erhalt der traditionellen Produktion
von Tequila beitragen. "Das wird besonders im Amatitán-Tequila-Tal
deutlich, in dem seit 400 Jahren Tequila erzeugt wird. Die sozialen
und ökologischen Ressourcen sind hier bedroht", so die Studienautorin.
Quelle: pressetext austria (14.01.2009) |