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Ostfriesische Inseln als "hot spot"
der Biodiversität in Deutschland
1.500 Pflanzen- und über 8.000 Tierarten, d.h. ein
Viertel der Flora und ein Fünftel der Fauna Deutschlands:
Diese erstaunliche biologische Vielfalt findet sich auf den Ostfriesischen
Inseln, wie ein kürzlich abgeschlossenes Forschungsprojekt
ergeben hat. Die Ergebnisse sind in einem Handbuch zusammengefasst,
das heute in der Universität Oldenburg der Öffentlichkeit
vorgestellt wurde.
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| Beispiel für den Artenreichtum
auf den Ostfriesischen Inseln: Eine Salzwiese mit Strandbeifuß
(weiß-grau) und Strandflieder (violett) auf Memmert.
(Foto: R. Niedringhaus, Universität Oldenburg) |
Mehr als 80 Fachleute waren an dem langjährigen Projekt
beteiligt, das u.a. mit Mitteln der Niedersächsischen Wattenmeerstiftung
finanziert wurde. Die Forschungsergebnisse sind in einem 470 Seiten
starken Handbuch zusammengefasst, das die Biologen Dr. Rolf Niedringhaus,
Prof. Dr. Volker Haeseler und Prof. Dr. Peter Janiesch (Institut
für Biologie und Umweltwissenschaften) herausgegeben haben
und das heute (19. Juni 2008) im Beisein von Niedersachsens Umweltminister
Hans-Heinrich Sander in der Universität Oldenburg der Öffentlichkeit
präsentiert wurde. Zuvor war das Projekt im Rahmen der 9.
UN-Biodiversitätskonferenz im Mai 2008 in Bonn vorgestellt
worden. Mit dem Handbuch, das in der Schriftenreihe des Nationalparks
Niedersächsisches Wattenmeer erschienen ist, wird erstmalig
für einen deutschen Nationalpark eine umfassende Gesamtübersicht
über die floristische und faunistische Artenvielfalt gegeben.
Angesichts der Gesamtfläche der Inseln von lediglich etwas
mehr als 100 Quadratkilometern, die nur 0,03 Prozent der Gesamtfläche
Deutschlands ausmachen, könne durchaus von einem "hot
spot" der Biodiversität in Deutschland, wahrscheinlich
sogar in Nordeuropa, gesprochen werden, so die AutorInnen. Die
Sonderstellung des Gebiets werde auch deutlich durch die Präsenz
sehr vieler spezialisierter und küstengebundener Arten sowie
durch 258 Pflanzen- und 1.092 Tierarten aus der Roten Liste gefährdeter
Arten. Die 53 Fachbeiträge des Handbuchs liefern detaillierte
Informationen über die Flechten, Moose, Farn- und Blütenpflanzen
sowie sämtliche Tiergruppen von den Wimpertierchen bis zu
den Säugern.
Die Ostfriesischen Inseln vor der nordwestdeutschen Küste
- einerseits zentraler Teil des zweitgrößten deutschen
Nationalparks, andererseits beliebtes Urlaubsziel für fast
eine Million Touristen jährlich - standen seit Einrichtung
ökologischer Arbeitsgruppen an der Universität Oldenburg
vor mehr als 30 Jahren im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses.
Grundlage des neuen Handbuchs sind 800 historische und aktuelle
Arbeiten sowie zahlreiche unveröffentlichte Datenverzeichnisse.
Es wendet sich sowohl an WissenschaftlerInnen, die besonders die
Artenlisten und die entsprechenden speziellen Auswertungen interessieren
dürften, als auch an einen breiten Kreis vom Besucher bis
zum Bewohner des Nationalparks. Mehr als 200 Fotos und Zeichnungen
vermitteln einen umfassenden Einblick in die Formenvielfalt dieses
einzigartigen Lebensraumes.
Mit der Dokumentation der biologischen Vielfalt eines national
und international bedeutenden Schutzgebietes soll ein Grundstein
für eine fortlaufende Beobachtung der Entwicklung der Lebensgemeinschaften
der Ostfriesischen Inseln gelegt werden. Dies erscheint besonders
wichtig angesichts der sich auf diesen Inseln abzeichnenden Landschaftsveränderungen,
die aufgrund unmittelbarer Einflüsse durch verschiedene Nutzungsansprüche,
aber auch in Folge des prognostizierten Klimawandels, der die
Küstenregion in besonderer Weise beeinflussen dürfte,
stattfinden werden. Die Arbeit wird aber auch als Ansporn für
weitere Bestandserhebungen verstanden. Besonders im Hinblick auf
bestimmte Tiergruppen bestehen nach wie vor z.T. erhebliche Kenntnisdefizite,
die mit überschaubarem Aufwand in den nächsten Jahren
behoben werden könnten. Der Nationalpark Niedersächsisches
Wattenmeer wäre dann der wahrscheinlich weltweit erste Nationalpark
mit einer vollständigen Inventarisierung seiner Bewohner.
Quelle: Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg (19.06.2008)
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