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Südseestaat Kiribati droht zu versinken
- Dramatischer Appell des Präsidenten über Klima-Flüchtlinge
Nach dem drohenden Untergang des Inselstaats Tuvalu richtet nun
das Nachbarland Kiribati einen dramatischen Appell an Australien
und Neuseeland. Der kiribatische Präsident Anote Tong bittet
darin Australien und Neuseeland sich der Klimaflüchtlinge
aus seinem Land anzunehmen, berichtet der neuseeländische
Fernsehsender TV3.
Tong hatte bei einer Konferenz in Wellington unterstrichen, dass
der Point-of-No-Return bei den negativen Folgen der Treibhausgasemissionen
bereits erreicht sei. Das Worst-Case-Szenario für Kiribati
könnte bedeuten, dass gegen Ende des Jahrhunderts die flachen
Atolle unter Wasser stehen. Für die knapp 94.000 I-Kiribati
- wie sich die Einwohner nennen - bedeutet dies, dass sie sich
eine neue Heimat suchen müssen. "Die Klimaveränderung
ist nicht Frage der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern eine
Frage des menschlichen Überlebens", so Tong, der an
der London School of Economics studiert hat. "Dörfer,
die Jahrzehnte, möglicherweise sogar hundert Jahre lang an
einem Platz gestanden haben, müssen jetzt umgesiedelt werden",
erklärt Tong.
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Marakei ist eines der bewohnten
Atolle der Gilbert-Gruppe. 1979 wurde die Inselgruppe gemeinsam
mit den Line- und Phoenix-Islands unter dem Namen Kiribati
unabhängig.
(Foto: Wolfgang Weitlaner) |
Die Landfläche des aus 33 Atollen in drei Inselgruppen geteilten
Staates, beträgt nur knapp 700 Quadratkilometer - allerdings
verteilt auf mehr als fünf Mio. Quadratkilometer. Mit Ausnahme
der Insel Banaba, der ehemaligen Ocean Island, die sich 70 Meter
aus dem Ozean erhebt, ragen die anderen Inseln nur maximal drei
bis vier Meter aus dem Meer. "Die Problematik ist genau die
gleiche wie in Tuvalu", meint im pressetext-Interview Chris
Horner, der gemeinsam mit Gilliane Le Gallic die Filmdokumentation
" The Disappearing of Tuvalu - Trouble in Paradise"
gedreht hat. Kiribati und Tuvalu bildeten einst die britische
Kolonie Gilbert & Ellice Islands. Die beiden Inselgruppen,
die eine sehr ähnliche Topographie aufweisen, sind seit den
späten 1970er Jahren unabhängige Staaten im Commonwealth.
Nach Angaben der australischen National Tidal Facility sei der
Meeresspiegel in den vergangenen zehn Jahren nur minimal gestiegen,
wie die australische Forscherin Fiona Kotvojs gegenüber pressetext
bestätigt. "Es gibt nicht einmal Beweise dafür,
dass das einmal passieren wird." Was allerdings sehr wohl
passiert, und das bereitet der Bevölkerung große Sorgen,
sind Springfluten, die immer wieder die Pflanzungen überschwemmen.
"Die porösen Korallenböden eignen sich ohnehin
nicht wirklich gut für Landbau", erklärt auch Horner.
Ein weiteres Problem ist auch die Wasserversorgung. Besonders
die südlichen Inseln der Gilbert-Gruppe litten in den vergangenen
Jahren unter Trockenheit, wie dies Mitarbeiter des US-Peace-Corps
bestätigen.
Nicht alle stimmen der Theorie vom Untergang der Inseln zu. Einige
der Bewohner der Inseln kritisieren, dass die viel zitierte Bodenerosion,
bei der Fluten Teile der Inseln abtragen, an anderen Stellen allerdings
wieder neu auftragen, als natürlichen Lauf der Dinge. "Mit
Zunahme der Bevölkerungsdichte auf Funafuti, dem Hauptatoll
Tuvalus, sind auch die Probleme größer geworden",
bestätigt der Pfarrer Camille DesRosiers, der seit 20 Jahren
die katholische Mission in Tuvalu leitet. Dazu gehöre auch
das auf beiden Hauptinseln - Tarawa und Funafuti - existierende
gewaltige Müllproblem. Jedes Konsumgut, das gut verpackt
hier landet, bleibt auch hier und so türmen sich auf der
kleinen Landfläche Abfälle aller Art.
Quelle: pressetext austria (07.06.2008)
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