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Saharastaub bringt Nährstoffe bis in Ecuadors
Bergregenwälder
Staub aus der unfruchtbaren Trockenwüste Sahara beeinflusst
offenbar maßgeblich den Nährstoffkreislauf in den Bergregenwäldern
Ecuadors. Das haben Wissenschaftler der Johannes-Gutenberg-Universität
Mainz jetzt erstmals zeigen können.
"Wir haben in den ecuadorianischen Anden tatsächlich
Staubeintrag aus Nordafrika gefunden. Mit diesem Sahara-Staub erhielt
der Bergregenwald große Mengen an wichtigen Pflanzennährstoffen",
erklärt Universitäts-Professor Wolfgang Wilcke vom Geographischen
Institut. So sei nachgewiesen, dass der Sahara-Staub nicht nur das
feuchte Amazonas-Becken erreiche, sondern auch bis in die tropischen
Regenwälder der Andenrepublik vordringe. Entscheidend für
den Weiterflug des nährstoffreichen Staubes sei das Auftreten
einer besonderen großklimatischen Situation, nämlich
des El-Nino-Southern-Oscillation-Phänomens (ENSO).
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| Die Forschungsstation ECSF inmitten
der von Abholzung bedrohten ecuadorianischen Anden. (Foto: T.
Nauß/ Philipps-Universität Marburg) |
"Die Bergregenwälder in Ecuador zählen zu den artenreichsten
Regenwäldern überhaupt, aber verschwinden schneller als
andere tropische Wälder", erklärt Wilcke im Gespräch
mit pressetext. Zudem seien diese Regionen vergleichsweise wenig
erforschte Gebiete, ein Umstand, der den Bemühungen des Natur-
und Artenschutzes nicht zuträglich sei. Denn um Pflanzen wie
Tiere vor dem Aussterben zu bewahren, sei es wichtig, die Lebensräume
genau zu kennen. "Seit 2007 gibt es dort deshalb eine Forschungsstation,
in der Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen das Ökosystem
untersuchen." Wilcke und sein Mitarbeiter Jens Boy widmeten
sich im Zuge der Forschungsarbeiten dem Stoffhaushalt und den Stoffeinträgen
aus Flüssen und Stäuben, um herauszufinden, woher die
tropischen Wälder, die oft auf nährstoffarmen Böden
wachsen, die lebenswichtigen Nährstoffe erhalten.
"Dabei haben wir Beobachtungen gemacht, die mit den bisherigen
Erkenntnissen schwer erklärbar waren. Denn in bestimmten Zeiten
haben wir einen besonders hohen Eintrag von Calcium und Magnesium
feststellen können", berichtet Wilcke. Eine Reihe möglicher
Ursachen - Stäube von der anderen Seiten der Kordillieren,
Vulkanismus oder Meersalz - habe man aber schnell ausschließen
können. So blieb der Saharastaub als Quelle der Nährstoffe,
"zumal es schon länger bekannt ist, dass Stäube aus
der Sahara ins Amazonasgebiet eingetragen werden". Bisher konnten
die Einträge aber nur für rund ein Drittel des Amazonas
nachgewiesen werden. Das habe die Frage aufgeworfen, wie die Stäube
bis in entlegene Regenwaldgebiete und in die Anden vordringen können.
Als Erklärung dient den Wissenschaftlern eine ganz bestimmte
großklimatische Situation, das ENSO-Phänomen. "Den
hohen Nährstoffeintrag haben wir nämlich während
einer sehr starken La Nina-Situation beobachteten", so Wilcke.
"In dieser Zeit fällt zwar viel Regen, das aber in unregelmäßigen
Abständen. Die Trockentage dazwischen reichen aus, damit die
Staubwolken bis nach Ecuador vordringen können." Das ENSO-Phänomen
tritt im Durchschnitt alle sieben Jahre auf, "bei unseren Beobachtungen
handelte es sich aber um das stärkste Auftreten von La Nina
der letzten 50 Jahre." Überraschend sei zudem auch die
Erkenntnis, dass bei hohem Nährstoffeintrag offenbar auch viele
Nährstoffe im System zurückbleiben, die Bestandteile der
Stäube also einen gewissen Wachstumsschub auslösen würden.
Der Saharastaub - rund 400 bis 700 Mio. Tonnen entstehen jährlich
- liefert vor allem Calcium und Magnesium, das die Pflanzen für
Stoffwechsel und Wachstum benötigen. Die vom Wind in die Atmosphäre
getragenen Staubwolken können auf ihrem Weg über den Atlantik
enorme Ausmaße annehmen und sich teilweise über Flächen
von der Größe Spaniens erstrecken. "Während
die Sahara zur Nahrungsgrundlage und Fruchtbarkeit der Regenwälder
beiträgt, könnte sich der Effekt bei einer Zunahme der
weltweiten Erwärmung verändern", vermutet Wilcke.
Denn bei steigender Temperatur würden die El-Nino-Ereignisse
potenziell häufiger werden. Dadurch steige der Staubeintrag
und es könnte zu einer Eutrophierung, also einer Überlastung
mit Nährstoffen kommen.
Quelle: pressetext deutschland (21.05.2008)
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