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Geowissenschaftliche Zeitreise: Gletscherdaten
als Abfallprodukt des Kalten Kriegs
Einen Brennpunkt der Diskussion um die globale Erderwärmung
stellen die Gletscher des Himalaya-Gebirges dar. Genaue Angaben
zu Volumenverlusten sind für diese Gebiete jedoch bisher selten.
Aus diesem Grund widmet sich Tino Pieczonka in seiner von Prof.
Dr. Manfred F. Buchroithner und Dr. Tobias Bolch betreuten Studienarbeit
am Institut für Kartographie der TU Dresden der Erfassung und
der Berechnung von Volumenänderungen der dortigen Gletscher.
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| Eisbruch des Khumbu-Gletschers (Foto:
Uwe Gille, Wikipedia) |
Einen Schwerpunkt der Untersuchung bildet dabei der Khumbugletscher.
Er ist Teil der Südroute zum Mount Everest und damit einer
der bekanntesten und meist untersuchten Gletscher der Welt. Wie
die meisten großen Gletscher des Untersuchungsgebiets ist
auch der Khumbu ein Schuttgletscher. Seine Zunge ist nahezu vollständig
von Geröll bedeckt. In seiner Arbeit untersucht Tino Pieczonka
die Volumenänderungen des Khumbu-Gletschers. Grundlage bilden
dabei zwei digitale Geländemodelle, die mithilfe von Satelliten-Aufnahmen
der Jahre 1962 und 2002 erstellt wurden. Während das Modell
des Jahres 2002 bereits fertig zur Verfügung stand, ist die
Entwicklung des früheren Modells Bestandteil der Studienarbeit.
Die Aufnahmen des Jahres 1962 sind im Rahmen einer Mission des
amerikanischen Spionagesatelliten CORONA entstanden. CORONA war
der weltweit erste Aufklärungssatellit, entwickelt mit dem
Ziel, Aufnahmen vom Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu gewinnen.
Die Fotos wurden anfangs mit einer analogen Kamera aufgenommen und,
da die Bildübermittlung per Funk noch nicht ausgereift war,
mit Wiedereintrittskapseln zur Erde gebracht. Ein Flugzeug hatte
damals die schwierige Aufgabe, die geheimen Daten noch in der Luft
abzufangen. Die ersten der 1959 bis 1972 durchgeführten Missionen
schlugen fehl; entweder waren die Bilder unscharf, fehlbelichtet,
die Kamerablende klemmte, oder der Fallschirm der Sonde öffnete
sich nicht. Die Satelliten der Folgeprogramme entwickelten die Filme
deshalb vollautomatisch an Bord, scannten sie ein und funkten sie
zur Erde.
Durch den Vergleich beider Geländemodelle konnte Tino Pieczonka
für den Khumbugletscher einen starken Volumenverlust nachweisen.
In den Jahren von 1962 bis 2002 hat der Gletscher etwa 68 Millionen
Kubikmeter seiner Eismasse verloren; das entspricht 18 Meter an
Dicke. Bei diesem Rückgang spielt die Temperaturerhöhung
eine dominierende Rolle: durch die Klimaveränderung hat sich
das Gleichgewicht des Gletschers aus Eisgewinn und -verlust verschoben,
so dass weniger Gletschereis neu gebildet wird, als durch Abtauen
verloren geht. Das verstärkte Abschmelzen der Gletscher geht
mit einem Pegelanstieg der Gletscherseen einher. Die Gefahr von
Dammbrüchen wird dadurch verstärkt und bedroht zunehmend
den Lebensraum der Nepalesen.
Zur besseren Einschätzung des Risikos solcher Katastrophen
ist die weitere Überwachung des Abschmelzverhaltens der Gletscher
des Himalaya Voraussetzung. So können frühzeitig die Entstehung
und Entwicklung neuer Seen und die daraus entstehenden Gefahren
dokumentiert werden.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (11.03.2008)
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