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Warum es vor der Ausfahrt zäh fließt:
RUB-Ingenieurin untersucht Verkehrsablauf auf Autobahnen
Je mehr Ein- und Ausfahrten und Autobahnkreuze sich auf einer Strecke
drängen, desto instabiler wird der Verkehr. Was sind aber die
Einflussfaktoren auf den Verkehrsfluss und wie lässt sich die
Kapazität einer solchen Strecke bemessen? Diese Frage hat Dr.-Ing.
Christina Betz in ihrer Doktorarbeit "Verkehrsablauf auf Autobahnen
mit dicht aufeinander folgenden Knotenpunkten" (Betreuer: Prof.
Dr. Werner Brilon, Lehrstuhl für Verkehrswesen) untersucht.
Ihr Fazit: Da die Autofahrer in städtischen Ballungsräumen
mit vielen Ein- und Ausfahrten auf engen Raum einen anderen Fahrstil
pflegen als Fahrer in ländlichen Gebieten, sollten für
Knotenpunkte in Ballungsräumen andere Kapazitäten angewandt
werden, wie es für freie Strecken schon jetzt üblich ist.
Rückstau kann stromaufwärts für Ärger
sorgen
Die Kapazität und die Qualität des Verkehrsablaufs auf
Autobahnen werden wesentlich durch Knotenpunkte wie Auf- und Abfahrten
sowie Autobahnkreuze beeinflusst. Durch Ausfädelungs-, Einfädelungs-
und Verflechtungsvorgänge kommt es immer wieder zu Konflikten,
die den Verkehrsablauf beeinträchtigen können. "Gerade
bei dicht aufeinander folgenden Knotenpunkten gibt es aber Einflussfaktoren,
die bisher nicht weiter untersucht wurden", so Christina Betz.
"Die gegenseitigen Beeinflussungen treten z.B. dann auf, wenn
sich ein Rückstau von einem Knotenpunkt in einen stromaufwärts
liegenden ergibt." Eignen sich für die Bemessung der Kapazität
solcher Strecken die herkömmlichen Bemessungsverfahren? Wie
lassen sich die Verkehrsabläufe dort beschreiben?
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| Messstelle Essen-Frillendorf - Essen-Ost
auf der A 40 |
Videoaufnahmen und Computersimulation
Um diese Frage zu beantworten nahm Christina Betz nach einer Literaturrecherche
acht hoch belastete Streckenabschnitte auf Autobahnen in NRW und
eine in Baden-Württemberg auf Video auf. Zu den gefilmten Abschnitten
zählte zum Beispiel die A 40 an der Ausfahrt Essen-Frillendorf
und das Autobahnkreuz Leverkusen. Diese Videofilme wurden dann per
Hand ausgewertet. Im Mittelpunkt der Studie standen dabei die Fahrstreifenaufteilung
im Verlauf der Streckenabschnitte sowie der Verkehrsablauf unter
Einschätzung der Verkehrsqualität mit den Qualitätsstufen
des "Handbuchs für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen"
(HBS) 2001. Für ausgewählte Messstellen ermittelte die
Forscherin außerdem die Geschwindigkeiten, das Fahrstreifenwechselverhalten
und die Folgezeitlücken. Die empirischen Messungen ergänzte
sie durch mikroskopische Simulation mit einem Computerprogramm.
In Ballungsräumen ist die Kapazität größer
Zusammenfassend stellt sie fest: Das Zusammenwirken der einzelnen
Elemente von Autobahnknotenpunkten konzentriert sich vornehmlich
auf Zeiten und Orte mit einer Überlastung. Es lässt sich
nicht nach einfachen Regeln beschreiben und ist stark von ortsspezifischen
Verhaltensweisen der Fahrer geprägt: Autofahrer in Ballungsräumen
nutzen engere Lücken und wissen, wie sie sich verhalten müssen,
um den Verkehrsfluss zu optimieren. "Innerhalb von Ballungsräumen
wird häufig eine größere Kapazität von Knotenpunkten
erreicht", fasst Christina Betz zusammen. Entsprechend sollten
für die Bemessung von Knotenpunkten in Ballungsräumen
andere Kapazitäten angewandt werden, die diese Unterschiede
im Fahrstil berücksichtigen. "Das vorhandene Bemessungsverfahren
sollte erweitert werden", empfiehlt Christina Betz. "Bisher
gilt -vereinfacht gesagt - eine Kapazität für das jeweilige
Element, Einfahrt, Ausfahrt, Verflechtungsstrecke. Ich schlage in
meiner Arbeit vor, einen Kapazitätswert für Knotenpunkte
in Ballungsräumen und eine andere für Knoten außerhalb
von Ballungsräumen zu verwenden."
Stau fängt schon vor der Ausfahrt an
Mit Hilfe der empirischen Daten und der Simulation konnte sie nachweisen,
dass der eigentliche funktionale Engpass einer Ausfahrt nicht zwangsweise
die Kapazität des Ausfädelungsstreifens ist, sondern ca.
200 bis 300 Meter stromaufwärts vor Beginn des Ausfädelungsstreifens
liegt. Die Kapazität des rechten Fahrstreifens an dieser Stelle
beträgt mindestens 2.000 Kfz/h. Für die Bemessung einer
Ausfahrt ist es somit essentiell, die Verkehrsbelastung des rechten
Fahrstreifens stromaufwärts des Ausfädelungsfahrstreifens
ermitteln zu können. Hierfür leitete Christina Betz mehrere
Berechnungsverfahren her.
Neues Verfahren ist für Strecken mit vielen Knotenpunkten
geeignet
Darüber hinaus bestätigte sich ihre Hypothese, dass bei
starker oder lang andauernder Überlastung jedes betroffene
Einzelelement maßgebend für alle stromaufwärts liegenden
Elemente ist. Sie entwickelte mit Hilfe der Videoaufnahmen ein Bilanzierungsverfahren
zur Ermittlung der "Restkapazität" der stromaufwärts
liegenden Knotenpunkte bei einem Verkehrszusammenbruch. Dieses Verfahren
ist für Streckenabschnitte mit einer engen Abfolge von Knotenpunkten
geeignet. In den bisherigen Bemessungsverfahren für Knotenpunkte
wird die Lage der Knotenpunkte nicht berücksichtigt. Die Untersuchung
liefert somit wesentliche Grundlagen und Kennwerte für eine
Weiterentwicklung des HBS 2001 Kapitel "Planfreie Knotenpunkte".
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (07.03.2008)
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