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Globale Maßlosigkeit bedroht verbliebene
Wälder - Kanadische Forscher erheben Landwirtschaftsflächen
der Welt
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| Terrassenfeldbau bei Cyungo im ruandischen
Distrikt Rulindo (Foto: 2007 WFP/Cyridion Usengumuremyi) |
Mehr als ein Drittel der eisfreien Erdoberfläche wird derzeit
als Ackerland genutzt. Europa, Südasien und die östlichen
USA haben die größten Anbauflächen, während
in Südamerika, China, im tropischen Afrika und in den westlichen
USA das meiste Weideland besteht. Kanadische Forscher haben nun
agrarische Datenbanken mit aktuellen Satellitendaten verglichen
und ein Computerprogramm geschaffen, das Weideland von Ackerland
unterscheidet.
Das Team um Navin Ramankutty von der McGill
University in Montreal hat festgestellt, dass 15 Mio. Quadratkilometer
(zwölf Prozent) als Anbauflächen und 28 Mio. Quadratkilometer
(22 Prozent) als Weideland genutzt werden. Die Untersuchungen durch
die Satelliten, die eine sehr genaue Aufschlüsselung im Zehn-Kilometer-Radius
ermöglichen, sind die bisher genauesten Daten über die
Nutzung der Landflächen auf der Erde. Die weltweite Landwirtschaft
habe das Aussehen der Erdoberfläche in den vergangenen Jahrhunderten
massiv verändert, so Ramankutty.
"Wenn jeder Chinese und jeder Inder pro Tag einen Hamburger
isst, geht es sich mit den zur Verfügung stehenden weltweiten
Anbauflächen nicht mehr aus", meint der Wiener Waldexperte
Gerhard Glatzel von der Wiener
Universität für Bodenkultur gegenüber pressetext.
Das gleiche gelte auch für den Fall, dass jeder Mensch genauso
viel Toilettenpapier verwendet wie Europäer oder Nordamerikaner.
"Die einzigen Reserven für eine Nahrungsmittelproduktion
liegt in den ausgelaugten und degradierten Böden Afrikas",
zeigt sich der Experte überzeugt. Zur Renovierung der Böden
müsse man allerdings kräftig investieren. Nur elf Prozent
der weltweit zur Verfügung stehenden Böden eignen sich
als Anbauflächen, ohne grundlegende Veränderungen durchführen
zu müssen, geht aus der FAO-Studie "Soil limits Agriculture"
hervor.
Von der Nutzung so genannter Biotreibstoffe hält Glatzel nichts.
"Eine Tankfüllung entspricht mehr als 100 Kilogramm Brot",
so der Experte. Die meisten Menschen hätten keine Vorstellung
darüber, argumentiert Glatzel. Forscher haben errechnet, dass
einige hundert Quadratmeter Ackerland für eine vegetarische
Ernährung, einige tausend Quadratmeter für die Fleischkonsumenten
erforderlich sind. Der indirekte Druck auf die verbliebenen Wälder
steige damit. Glatzel kritisiert in diesem Zusammenhang das Fehlen
eines globalen ethischen Instruments wie man mit den Flächen
umzugehen habe.
Quelle: pressetext austria (11.02.2008)
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