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Plattentektonik deutlich komplexer als angenommen
- Modifikation bisheriger Erdbeben und Vulkanausbrüche erforderlich
Die Prozesse, die sich an den Grenzen von Kontinentalplatten abspielen,
sind offenbar komplexer als bisher gedacht. Zu diesem Schluss kommt
ein internationales Wissenschaftsteam, dem auch Forscher der Universität
Kiel und des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften
(IFM-GEOMAR)
angehören. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler erfordern eine
Modifikation bisheriger geologischer Modelle, die auch der Risikoabschätzung
für Erdbeben und Vulkanausbrüche dienen, berichtet das
Wissenschaftsmagazin Nature.
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| Ausbruch des Santiaguito in Guatemala
2005 (Foto: K. Hoernle, IFM-GEOMAR) |
Untersuchungen vor der Küste Mittelamerikas zeigen, dass es
beim Abtauchen - dem Subduzieren - des Meeresbodens unter den amerikanischen
Kontinent zu bisher unerkannten Fließrichtungen im Mantel
kommt. Diese Bewegungen gibt es nicht nur quer zur Küste wie
bisher geglaubt, sondern auch parallel zum aktiven Vulkanbogen entlang
des Kontinents. Die neu entdeckten Bewegungen im Mantel sind möglicherweise
eine Folge der Wanderung der Subduktionszone relativ zum Kontinent.
Wie Studienautor Kaj Hoernle berichtet, haben diese neuen Erkenntnisse
auch eine Bedeutung für die Flüsse von klimawirksamen
Gasen aus Vulkanen.
Dort wo Erdplatten aneinander stoßen, kommt es häufig
zu großen Erdbeben und Vulkaneruptionen. Stark ausgeprägt
sind diese Zonen zum Beispiel rund um den Pazifischen Ozean. Vor
der Küste befinden sich hier meist Tiefseegräben an denen
die schwerere ozeanische Platte unter die leichtere kontinentale
abtaucht. Das dabei in großer Tiefe freigesetzte Wasser führt
zum teilweisen Schmelzen des überlagernden Erdmantels und zur
Bildung von Vulkanketten an der Erdoberfläche parallel zur
Küste. Im Rahmen des "Sonderforschungsbereichs
574 - Fluide und Volatile in Subduktionszonen: Klima-Rückkopplungen
und Auslösemechanismen von Naturkatastrophen" haben die
Wissenschaftler die Prozesse des Abtauchens einer solchen Platte
entlang der pazifischen Küste von Nikaragua bis Costa Rica
genauer untersucht. Die Experten haben dabei die Zusammensetzung
und das Alter des Vulkangesteins sowie die seismischen Eigenschaften
des Untergrunds ermittelt.
"Die ozeanische Platte wandert etwa mit 85 Millimeter pro
Jahr auf die Küste zu, die Querströmung des Erdmantels
liegt mit geschätzten 60 bis 190 Millimeter pro Jahr in der
gleichen Größenordnung", so Hoernle. "Bisher
wurde dies weltweit in Modellen von Subduktionszonen nicht berücksichtigt.
Für die Abschätzung der Schmelzprozesse und Gasgehalte
der Laven ist dies aber wichtig, denn es trägt zum globalen
Verständnis der großräumigen Transportmechanismen
von Materialien in Subduktionszonen bei." Zudem unterstützen
die neuen Erkenntnisse die Abschätzung von Flussraten klimarelevanter
vulkanischer Gase zur Erdoberfläche und weiter in die Atmosphäre.
Hoernle zeigt sich überzeugt davon, dass die neuen Modelle
die Risiken von Naturgefahren in Subduktionszonen besser bewerten
können. "Hier erleben wir nämlich die größten
und gefährlichsten Vulkaneruptionen und Erdbeben."
Quelle: pressetext austria (28.01.2008)
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