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Plastik "vom Acker" bekommt schlechte
Öko-Noten - Bio-Kunststoffe können ihre Versprechen nicht
einlösen
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| Biokunststoffflaschen der Drogeriekette
"Ihr Platz" . (Foto: Ihr Platz) |
"Bio-Plastik lohnt sich noch nicht." Kurz und prägnant bringt
der Bonner Trendletter das auf den Punkt, was viele Kritiker des
vermeintlich vorteilhaften Verpackungsmaterials schon lange zu wissen
glauben. Die Idee, biologisch abbaubares Verpackungsmaterial zu
verwenden, sei verlockend - kein Wunder, bürgt doch die Bezeichnung
Bio-Kunststoff schon für ein ökologisch reines Gewissen. Jedoch
liegt der Marktanteil derzeit nur bei einem Prozent. Der Nachteil
der mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Projekte: "Bio-Plastik
ist zum Teil noch nicht farbecht, wasserdicht und zersetzt sich
nicht so schnell wie gedacht." So genanntes Bioplastik wird statt
aus Erdöl aus Mais, Zuckerrüben, Getreide, Milchsäure oder Zellulose
(Holz) gewonnen. Das Urteil des Trendletters ist deutlich: "Produkt-Verpackungen
aus Plastik bleiben für die nächsten zehn Jahre Standard. Bio-Ersatzstoffe
sind noch nicht marktreif."
Diese Einschätzung deckt sich mit den Ergebnissen einer Studie,
die das Österreichische Ökologie Institut - Austrian
Institute of Ecology mit der Schweizer carbotech
AG und dem deutschen Öko-Institut
erarbeitet hat. Versuchten die Veranstalter der Fußball-Europameisterschaft
2008 mit dem Einsatz von Getränkebechern aus Bioplastik, sich selbst
und dem Großereignis in Österreich und der Schweiz ein Öko-Image
zu verpassen, werden sie damit widerlegt. Die aus Mais gefertigten
Becher sollen nach Gebrauch kompostierbar sein. "Die Kompostierbarkeit
der Becher führt nicht zu geringeren Umweltauswirkungen, da mit
der Kompostierung dieses Kunststoffes kein nennenswerter ökologischer
Nutzen verbunden ist. Zudem sind die Auswirkungen der Entsorgung
marginal im Vergleich zu denen der Herstellung der Becher", so die
Studie. Insbesondere das Argument, die biologisch abbaubaren Werkstoffe
(BAW) seien CO2-neutral und verursachten keinen Treibhauseffekt,
wird in Frage gestellt.
Anbau von "Plastik-Pflanzen" ist ökologisch
fragwürdig
Christian Pladerer, Mitautor der Studie vom Österreichischen Ökologie
Institut, ist skeptisch: "Um die tatsächliche Umweltbelastung einer
Verpackung festzustellen, müssen alle relevanten Umweltauswirkungen
entlang des gesamten Lebensweges vom Abbau der Rohstoffe inklusive
der Hilfsstoffe und Energieträger über die Transportwege bis hin
zur Entsorgung betrachtet werden." Es dürften nicht nur einzelne
Emissionen wie CO2 für einzelne Abschnitte des Lebensweges berechnet
werden. Das Plastik vom Acker ist umstritten. "Ökologisch fragwürdig
ist bereits der Anbau der Plastik-Pflanzen. Damit er sich rechnet,
müssen große Flächen intensiv bewirtschaftet werden. Die Düngung
belastet Wasser und Boden. Manche Biokunststoffe werden gar aus
gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt, wobei das Endprodukt
keine Reste von Gentechnik enthält", analysiert die Zeit-Autorin
Eva-Maria Simon.
Auch die Kompostwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz
zeigen nach Informationen von Christian Pladerer kaum Begeisterung
für die angebliche Kompostoption der biologisch abbaubaren Werkstoffe.
Denn hier müsse man unterscheiden zwischen den Begriffen "biologisch
abbaubar" und "kompostierbar". "Dass ein Werkstoff biologisch abbaubar
ist, bedeutet noch lange nicht, dass diese Umwandlung in einem Rotte-
oder Mieteprozess der technischen Kompostierung tatsächlich im gewünschten
Ausmaß erfolgt. Im Unterschied zu 'biologisch abbaubar' wird für
'kompostierbar' ein Zeitrahmen vorgegeben", sagt Pladerer. Ihm fehlt
es an der Glaubwürdigkeit, dass biologisch abbaubare Kunststoffe
auch kompostierfähig sind. "Zusätzlich werden BAW wie herkömmliche
Kunststoffverpackungen von automatischen und mechanischen Sortierschritten
erkannt und als Fremdstoff aussortiert. Dies gilt nicht nur für
die Kompostierung, sondern auch für Biogasanlagen", so sein Resümee.
Von den Kompostwerken würden biologisch abbaubare Kunststoffe zur
Zeit aufgrund der längeren Verweildauer und des hohen Störstoffanteils
nicht akzeptiert. Schließlich bleibe die Müllverbrennungsanlage
als einzige derzeit praktikable Entsorgungsschiene übrig. Vor diesem
Hintergrund ist nach Meinung von Pladerer die Novellierung der deutschen
Verpackungsverordnung, mit der BAW-Stoffe von Verwertungs- und Entsorgungspflichten
freigestellt werden, nicht nachvollziehbar. Denn danach müssen sich
diese Stoffe bis 2012 nicht an einem Dualen System beteiligen und
zahlen dementsprechend auch keine Entsorgungsgebühren. Gleiches
gilt bis 2010 für BAW-Getränkeflaschen, obwohl kein schlüssiges
Konzept für die Sammlung der Bio-Kunststoffe vorliegt und sie im
Zweifelsfall in Müllverbrennungsöfen landen.
Quelle: pressetext deutschland (10.01.2008)
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