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Verbesserung der Luftqualität beschleunigt die
Klimaveränderung
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| Abb. Temperaturanstieg
berechnet für den Zeitraum von 1850 bis 2100 (die gelbe Linie
entspricht den früheren Schätzungen). |
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Das Weltklima könnte sich schneller und heftiger erwärmen als
bisher angenommen - dies ergeben gerade in der wissenschaftlichen
Zeitschrift "Nature" veröffentlichte Forschungen. Eine Verringerung
der Aerosolteilchen in der Luft, einhergehend mit einer Verbesserung
der Luftqualität, wird Klimaveränderungen deutlich verstärken, indem
sie die Kühlwirkung der Aerosole herabsetzt und gleichzeitig die
in der Atmosphäre verbleibende Menge an Kohlendioxid erhöht. Die
Ungewissheit hinsichtlich der Größe des Kühleffekts in Vergangenheit
und Gegenwart bedeutet jedoch auch, dass wir uns in Bezug auf die
zukünftige Erwärmung nicht sicher sein können - diese könnte sehr
wohl die bisherigen Schätzungen übersteigen (Nature, 30 Juni 2005).
Meinrat O. Andreae vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie,
Chris Jones vom Met Office's Hadley Centre for Climate Prediction
and Research und Peter Cox vom Centre for Ecology and Hydrology
haben die Auswirkungen des Kühleffekts anthropogener Aerosole (feinste
luftgetragene Staubteilchen) auf das gegenwärtige und zukünftige
Klima sowie auf die Aufnahme von Kohlendioxid durch die Landbiosphäre
untersucht. Solche Aerosole haben bisher die Sonneneinstrahlung
auf die Erdoberfläche erniedrigt und damit teilweise den Erwärmungseffekt
von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, die das globale Klima während
des 20. Jahrhunderts erwärmten, ausgeglichen. Wegen ihrer schädlichen
Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt wird die Emission dieser
Aerosolteilchen aber seit einiger Zeit scharf reduziert.
Diese Verringerung der Aerosolbelastung wird allerdings auch zu
einer Erniedrigung ihrer Kühlwirkung und damit zu einer Beschleunigung
der globalen Erwärmung führen. Dr. Jones vergleicht dies mit dem
Fahren eines Autos, wenn gleichzeitig Gas gegeben und gebremst wird:
"Nun nehmen wir den Fuß von der Bremse, aber wir wissen nicht, wie
viel schneller wir uns dadurch bewegen werden. Da wir nicht genau
wissen, wie stark die Kühlwirkung durch Aerosole bisher war, können
wir auch nicht genau wissen, wie stark die Erwärmung durch Treibhausgase
ausfallen wird."
Jegliche Erwärmung wird darüber hinaus durch Wechselwirkungen zwischen
dem Klima und dem Kohlenstoffzyklus, d.h. der natürlichen Biosphäre
der Erde verstärkt. Gegenwärtig absorbieren Ozean und Landökosysteme
etwa die Hälfte unserer Kohlendioxid-Emissionen, aber als Auswirkung
der Klimaveränderung wird sich dieser natürliche "Puffer-Service"
verringern. "Höhere Temperaturen bedeuten, dass tote Materie schneller
verrottet. Wenn nun die Erwärmung aufgrund der verringerten Kühlung
durch Aerosole zukünftig stärker ausfällt als erwartet, wird weniger
Kohlendioxid von der Landmasse aufgenommen, wodurch mehr Kohlendioxid
in der Atmosphäre verbleiben und damit zum Treibhauseffekt beitragen
kann", erklärt Professor Cox.
Das deutsch-englische Forscherteam ist sich der bestehenden Unsicherheit,
welche die Klimamodelle stets belastet, bewusst, doch sollte gerade
dies zum Handeln auffordern, um die globalen Kohlendioxid-Emissionen
zu beschränken. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die neuen Unsicherheiten
hinsichtlich der Aerosoleinflüsse sich ausschließlich dahingehend
auswirken, die geschätzte Obergrenze für die Klimaveränderungen
im 21. Jahrhundert anzuheben, ohne dabei die Untergrenze zu beeinflussen.
Professor Andreae drückt dies so aus: "Wir gehen von einem möglichen
Temperaturanstieg von 6 Grad Celsius und mehr aus. Die Schlussfolgerungen
für die politischen Handlungsträger sind selbst bei einer Temperaturerhöhung
von 5 bis 6 Grad, vergleichbar mit dem Temperaturanstieg zwischen
der letzten Eiszeit und heute, enorm. Betrachtet man die potenziell
schwerwiegenden Konsequenzen für unsere Umwelt und Gesellschaft,
so ergibt sich als einzig sinnvolle Vorgehensweise eine sofortige
Verringerung der Treibhausgas-Emissionen, und zwar mit Zielsetzungen
deutlich unterhalb denjenigen des Kyoto-Protokolls."
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (29.06.05) http://www.idw-online.de
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