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Feinstaubbelastung in Berlin: Spitzenwerte bei
Hochdruckwetter
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Messanlage für Luftbelastungen
Quelle: dpa |
Die durch die Witterungsbedingungen hervorgerufenen zeitlichen
Variationen der Feinstaubkonzentration in Berlin sind wesentlich
größer als die kleinräumigen Unterschiede zwischen Hauptverkehrsadern,
innerstädtischen Wohngebieten, Stadtrand und Umland. Dies geht aus
Untersuchungen im Rahmen des Graduiertenkollegs "Stadtökologische
Perspektiven" der Humboldt-Universität zu Berlin und einer jetzt
vorgelegten Dissertation am dortigen Geographischen Institut hervor.
Grundlage für den Vergleich von Schwebstaubkonzentration und Großwetterlagen
seit 1991 bilden Daten des Berliner Luftgüte-Messnetzes (BLUME)
und des Deutschen Wetterdienstes.
Die höchsten Belastungen und die meisten Überschreitungen des seit
Januar gültigen EU-Limits von 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter
Luft treten demnach bei so genannten antizyklonalen Ostlagen auf:
Im Jahr 2002 wurden in Berlin bei stabilem Hochdruckwetter und östlicher
Luftströmung sogar am Stadtrand an 13 bis 15 Tagen Konzentrationen
über dem Grenzwert gemessen. Für die Wissenschaftler ein Hinweis,
dass der Ferntransport erheblich zur Feinstaubbelastung Berlins
beiträgt. Am niedrigsten sind die Konzentrationen bei West- und
Nordwestwetterlagen, die feuchte Luftmassen vom Atlantik heranführen.
Insgesamt verzeichneten von 1991 bis 2001 alle Berliner Messstellen
einen Rückgang der Feinstaubanteile in der Luft. Von 2001 an steigen
die Jahresmittelwerte infolge des wachsenden Kfz-Verkehrs jedoch
an allen Messstellen wieder leicht an. Die Auswertung der Feinstaubmessungen
in räumlicher Sicht ergibt eine Abnahme der mittleren jährlichen
Feinstaubbelastung von der Berliner City zum Stadtrand. Innerhalb
der Stadt zeigen die Messstellen an verkehrsreichen Straßen mit
dichter Blockrandbebauung die höchsten Belastungswerte. In städtischen
Wohngebieten ist die Feinstaubkonzentration deutlich geringer. Aber
auch dort kann der EU-Grenzwert an einzelnen Tagen, vor allem im
Winter, überschritten werden.
2003 wurde an allen Berliner Straßenmessstellen der Grenzwert an
über 70 Tagen übertroffen. Die EU-Richtlinie erlaubt Konzentrationen
Feinstaubgehalte vom mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an maximal
35 Tagen. Auch der Jahreslangzeitgrenzwert von 40 Mikrogramm je
Kubikmeter konnte nicht eingehalten werden. Im vergangenen Jahr
kam es an den Straßenmessstellen zu mehr als 35 Überschreitungen
- obwohl die Witterungsbedingungen nach Einschätzung der Berliner
Wissenschaftler bezüglich der Feinstaubbelastung deutlich günstiger
war. Bereits bis Ende März dieses Jahres sind an den Straßenmessstellen
zwischen 20 und 30 Überschreitungen zu verzeichnen, so dass die
Situation weiterhin als ernst einzustufen ist.
Die Arbeitsgruppe um Wilfried Endlicher, Geographieprofessor an
der Berliner Humboldt-Universität, geht auch der Frage nach, wie
es um die Luftqualität in Innenräumen bestellt ist. Erste Pilotmessungen
ergaben einen engen Zusammenhang zwischen Außen- und Innenraumbelastung.
Das Verhältnis Außenluft zu Innenraumkonzentration ist nach ersten
Ergebnissen bei etwa 3 zu 1 anzusetzen. Die Belastung der Atemluft
mit Feinstaub in Innenräumen liege damit im unbedenklichen Bereich.
Die Experten weisen außerdem darauf hin, dass nicht nur die Partikelgröße
und die Menge des Feinstaubs, sondern auch die Qualität der Feinstaubbelastung
relevant sei: Schwarze Kohlenstoffpartikel, zum Beispiel Ruß aus
Dieselfahrzeugen, seien gesundheitlich problematischer als natürliche
Bestandteile wie Mineralbruchstücke.
Als Fazit Ihrer Untersuchungen stellen die Berliner Forscher fest,
dass die aktuelle Feinstaubbelastung nur langfristig und nur durch
ein umfangreiches Maßnahmenbündel auf lokaler, regionaler und vor
allem internationaler Ebene reduziert werden kann. Rasches Handeln
sei notwendig, insbesondere mit Blick auf die zweite Stufe der EU-Richtlinie,
die eine weitere Verschärfung der Grenzwerte ab 2010 vorsieht.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (14.04.05) http://www.idw-online.de
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