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Änderungen der Ozeanzirkulation können regional
zu rapiden Veränderungen des Meeresspiegels führen
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Ozeanströme transportieren
warme und kalte Wassermassen an der Oberfläche (rot) und in
der Tiefsee (blau und violett) rund um den Globus.
Quelle: Stefan Rahmstorf, Nature 2002 |
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Künftige Veränderungen der Meeresströmungen hätten einen starken
Einfluss auf den Meeresspiegel. Dies zeigen Wissenschaftler vom
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in einer neuen Studie,
in der sie den möglichen Zusammenbruch der atlantischen Ozeanzirkulation
untersuchten. Sie fanden heraus, dass in diesem Szenario der Meeresspiegel
an den Küsten des Nordatlantiks um einen Meter steigen würde, während
er im Südatlantik sänke. Dies würde nahezu gleichzeitig mit der
Veränderung der Meeresströmung erfolgen und somit viel schneller
als bei den beiden anderen Effekten, die den Meeresspiegel sinken
oder steigen lassen - der Erwärmung der Ozeane und dem Schmelzen
von Festlandeis. Die Ergebnisse dieser Studie sind in der aktuellen
Ausgabe der Fachzeitschrift "Climate Dynamics" erschienen.
Der Anstieg des Meeresspiegels und die dadurch entstehende Bedrohung
für viele Küstenregionen stehen stark in der öffentlichen Diskussion.
Wenn die globale Erwärmung weiter fortschreitet, wird Festlandeis
wie auf Grönland schmelzen und als Süßwasser in die Weltmeere fließen.
Weiterhin führt der Klimawandel zu einer Erwärmung der Ozeane, wodurch
sich das Wasser ausdehnt. Beide Effekte führen zu einem Anstieg
des globalen Meeresspiegels um einige Dezimeter pro Jahrhundert
(Satellitenmessungen zeigen derzeit einen Anstieg um etwa drei Millimeter
pro Jahr). Jetzt haben Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung (PIK) herausgefunden, dass es einen weiteren,
deutlich schnelleren Mechanismus gibt, der zu Meeresspiegeländerungen
von bis zu einem Meter in einigen Regionen führen könnte, mit Anstiegsraten
bis zu 25 Millimeter pro Jahr.
Die Meeresoberfläche ist nicht flach; vielmehr entstehen durch
den Einfluss der Ozeanzirkulationen Hügel und Täler, die mit der
Corioliskraft in Gleichgewicht stehen. Das Absinken von kaltem Wasser
im Nordatlantik - dies ist ein Teil der Atlantikzirkulation, die
zum milden Klima in Europa beiträgt - führt zu einem besonders niedrigen
Meeresspiegel in dieser Region. Eine Abschwächung dieser Zirkulation
infolge der globalen Erwärmung wird von vielen Wissenschaftlern
erwartet; ein völliger Zusammenbruch wird als ein zwar unwahrscheinliches,
aber nicht vernachlässigbares Risiko angesehen.
Die neue Studie zeigt, dass der Meeresspiegel in manchen Küstengebieten
um den Nordatlantik nach einem Zusammenbruch dieser Zirkulation
um bis zu einem Meter ansteigen würde - dies erfolgt zusätzlich
zum Meeresspiegelanstieg durch die beiden anderen Effekte. Im Südatlantik
würde der Meeresspiegel demgegenüber sinken. Obwohl sich diese Art
von dynamischen Meeresspiegeländerungen global gesehen ausgleichen,
wäre der regionale Effekt eine Gefährdung für die Küstenregionen
in Nordamerika und Europa. Dies wurde bislang als Folgeerscheinung
eines Abreißens der Altantikzirkulation weitgehend übersehen - wie
zuletzt im US-amerikanischen Pentagon-Bericht, der ein solches Szenario
untersucht hat.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) wurde 1992
gegründet und beschäftigt rund 110 Wissenschaftler. Seine Forschungen
zu Klimawandel, Klimafolgen und nachhaltiger Entwicklung sind international
anerkannt. Das PIK ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (04.04.05) http://www.idw-online.de
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