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Alle Jahre wieder? UFZ-Wissenschaftler untersuchen
Rückstände des Elbe-Hochwassers
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Frühjahrshochwasser an
der Elbe
Foto: Frank Krüger / ELANA |
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Das Frühjahrshochwasser hält nicht nur die Anwohner der Elbe in
Atem - auch die Forscher beschäftigt die Flutwelle. So untersuchen
die Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ)
Schadstoffablagerungen in den Überschwemmungsgebieten. Nicht zuletzt
seit der Elbe-Flut 2002 ist bekannt, dass organische Schadstoffe
und Schwermetalle sowie Arsen mobilisiert, flussabwärts transportiert
werden und sich in strömungsarmen Zonen ablagern. Im Extremfall
kann dies bis in die Nordsee reichen. Die Ausbreitung organischer
Schadstoffe nach deren Ablagerung in den Flußauen und deren Weg
über den Boden ins Grundwasser ist bisher nicht vollständig aufgeklärt.
Die UFZ-Wissenschaftler untersuchen nun - basierend auf den Erkenntnissen
der großen Flut von 2002 - ob auch kleinere Hochwässer wie dieses
Frühjahrshochwasser ähnliche Auswirkungen auf die Deichvorländer
und damit auf die Landwirtschaft in diesem Bereich der mittleren
Elbe haben.
Auf den ersten Blick sieht es aus, als ob jemand seinen Fußabtreter
von der Haustür genommen und auf der frühjahresgrünen Wiese an der
Elbe bei Wittenberge abgelegt hätte. Doch die Spezialmatten sind
akkurat ausgerichtet, mit Erdnägeln befestigt und liegen nicht zufällig
hier. Für Ingo Lobe und seine Kollegen der UFZ-Gewässerforschung
in Magdeburg dienen die Borsten der "Fußabtreter" als Fallen. Gefangen
werden sollen die Schlämme, die das Hochwasser auf die Überflutungsgebiete
bringt und die dort verbleiben, wenn die Flutwelle nach Ostern vorbei
ist und das Wasser sich wieder zurückzieht. Wie beim Kaffeesatz
in der Tasse lagern sich auch in strömungsarmen Gewässerbereichen
die unlöslichen, feinen Partikel am Boden ab. Die Wissenschaftler
nennen das Sediment. Hier vermuten sie u. a. organische Schadstoffe
wie Chlorpestizide und deren Abbauprodukte. Deshalb werden Ingo
Lobe und seine Kollegen die Matten nach der Flut einsammeln, den
tonig-sandigen Schlamm ausspülen und auf seine Bestandteile analysieren.
"Uns interessiert vor allem, wie sich die Schadstoffe verhalten
und ob sie über den Boden ins Grundwasser vordringen können", erklärt
Ingo Lobe das Ziel der Forschungen. "Deshalb haben wir bereits im
Herbst Bodenproben in den Elbeauen genommen und werden diese mit
neuen Proben nach der Flut vergleichen." Dieser Informationsgewinn
ermöglicht es den Wissenschaftlern, die Gefährlichkeit der Schadstoffe,
welche die Elbe bei jedem Hochwasser anspült, besser einzuschätzen.
Die Firma ELANA - eine Ausgründung aus dem UFZ - legt die Matten
in Sachsen-Anhalt an der Elbe bei Wittenberge sowie an der Saale
und der Mulde aus. Am tschechischen Oberlauf der Elbe übernimmt
diese Arbeit die Firma Aquatest. An weiterführenden Forschungsarbeiten
sind außerdem noch weitere deutsche, tschechische, britische, schweizer
und niederländische Wissenschaftler beteiligt. Damit werden die
im Oktober 2004 gemeinsam begonnenen Untersuchungen an den Elbe-Auen
fortgesetzt. Ziel ist es, Grundlagen für ein verbessertes Hochwassermanagement
zu schaffen.
Die Untersuchungen des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ)
sind Teil des Projektes "AquaTerra", das sich mit Schadstoffen in
Sedimenten, Böden und Gewässern beschäftigt. An dem fünfjährigen
Projekt sind 45 Institute aus 12 Ländern der EU, der Schweiz, Rumäniens
und Serbiens beteiligt, die von der Universität Tübingen koordiniert
werden. Die Europäische Union unterstützt die Forschungen mit insgesamt
13 Millionen Euro. Neben Forschungsaktivitäten an der Elbe, die
Wolf von Tümpling aus dem UFZ im Rahmen von Aqua Terra leitet und
koordiniert, werden auch die Einzugsgebiete der Donau, des Ebro
(Spanien), der Mass (Belgien/Niederlande) und der Brévilles (Frankreich)
untersucht.
Weitere fachliche Information über:
UFZ-Department Fließgewässerökologie
Dr. Ingo Lobe
Telefon: 0391-810-9305
Dr. Wolf von Tümpling
Telefon: 0391-810-9300
oder über:
UFZ-Pressestelle
Doris Böhme
Telefon: 0341-235-2278
e-mail: presse@ufz.de
Die Wissenschaftler des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle
(UFZ) erforschen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch
und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Sie entwickeln
Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen
für nachfolgende Generationen zu sichern.
Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15
Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden
Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die
insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft
forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt,
Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (23.03.05) http://www.idw-online.de
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