|
Das Eis im Himalaja zerrinnt - WWF: Schmelzende
Gletscher bedrohen Wasserversorgung von Millionen Menschen
 |
| Gletschersee im Himalaya.
Khumbu Valley, Annapurna Region, Nepal |
Nirgendwo auf der Welt bringt die globale Klimaerwärmung die
Gletscher schneller zum Schmelzen als im Himalaja. Zu diesem Ergebnis
kommt eine heute von der Umweltschutzorganisation WWF in Gland,
Schweiz, vorgestellte Studie. Demnach drohen weit reichende Folgen
für mehrere hundert Millionen Menschen in China, Indien und Nepal.
Die schmelzenden Gletscher könnten die Wasserversorgung in weiten
Teilen der Länder gefährden. Laut der Studie gehen die Gletscher
der Region durchschnittlich um zehn bis 15 Meter im Jahr zurück.
„Zunächst wird das Schmelzwasser die Gletscherflüsse ansteigen
lassen“, erläutert Regine Günther, Leiterin des WWF-Klimareferats
„doch schon in wenigen Jahrzehnten werden Eis und Schnee soweit
reduziert sein, dass sich die Situation umkehrt und die Wasserstände
sinken.“ Sieben der größten Flüsse Asiens (Ganges, Indus, Brahmaputra,
Mekong, Jangtse, Huang He und Salween) werden von den Gletschern
des Himalajas gespeist. Millionen Menschen in der Region leben an
und von den Flüssen. Sollten die Gletscherwasser versiegen, könnten
sie ihre Felder nicht mehr bewässern, Wasserkraftwerke könnten nicht
mehr effizient betrieben werden.
In Nepal steigt die Durchschnittstemperatur zurzeit jährlich um
0,06 Grad. Die WWF-Studie zeigt, dass bei dreien der Gletscherflüsse
Nepals bereits ein Rückgang der Wassermenge zu verzeichnen ist.
Auch in den Nachbarländern werden bereits jetzt Auswirkungen des
Klimawandels deutlich: In China trocknen die Feuchtgebiete der Qinhai-Ebene
aus, in Indien schrumpft der Gangotri Gletscher um 23 Meter jährlich.
Die Studie erscheint im Vorfeld einer Ministerrunde der 20 größten
Energie verbrauchenden Nationen der Welt, darunter China und Indien
und des sich anschließenden G8-Treffens, mit dem Schwerpunktthema
Klimawandel. Beide Treffen finden vom 15. bis 18. März in London
statt. In einem offenen Brief an die deutschen Teilnehmer fordert
der WWF die Minister Trittin, Clement und Wieczorek-Zeul auf, sich
für eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf unter zwei
Grad verglichen mit vorindustriellen Werten einzusetzen. Regine
Günther: „Das Handlungsfenster einen gefährlichen Klimawandel noch
abzuwenden ist klein. Die klimaschädlichen Treibhausgase müssen
jetzt drastisch reduziert werden. Statt wolkiger Versprechen muss
es endlich ein Bekenntnis zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft
hin zu erneuerbaren Energien und höherer Energieeffizienz geben.“
Quelle: WWF (14.03.05) http://www.wwf.de
|