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Dem Klimawandel auf der Spur - Geowissenschaftler
rekonstruieren das Klima der letzten 15.000 Jahre
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| Der See Tso Kar in Ladakh |
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Das Klima verändert sich dramatisch. Die Polkappen schmelzen
ab, Küsten werden überflutet, Mitteleuropa erstarrt in sibirischer
Kälte. In immer schnellerer Folge fegen Wirbelstürme, die eine Spur
der Verwüstung hinterlassen, über Inseln und Küstengebiete - eine
Horrorvision à la Hollywood? "Nein", sagt Prof. Dr. Frank Riedel,
Klimaforscher an der Freien Universität Berlin, "'The Day After
Tomorrow' ist allerdings eine Klimasimulation im extremen Zeitraffer."
Riedel und sein Team suchen am Rande des Tibet-Plateaus nach Spuren,
die uns verraten, wie sich das Klima in der Zukunft verändern könnte.
Die ZDF-Sendung "Einsteins Erben und das Rätsel von Ladakh" berichtet
am Sonntag, dem 27. Februar 2005, um 19.30 Uhr über die Expedition.
Frank Riedel und sein Kollege Bernd Wünnemann arbeiten mit ihrem
Team fieberhaft am "Blick ins Ungewisse". Zusammen mit Spezialisten
aus der ganzen Welt und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) versuchen sie, das Klima der letzten 15.000 Jahre zu rekonstruieren
und daraus Vorhersagen für unsere Zukunft abzuleiten. Es ist ein
Wettlauf gegen die Zeit, denn immer deutlicher sehen die Forscher,
dass sich die klimatischen Verhältnisse auf der Erde schneller wandeln
als bisher angenommen. Riedel und seine internationalen Kollegen
haben sich zu einem der Brennpunkte des weltweiten Klimageschehens
begeben: in den Trans-Himalaja, in die eisigen Höhen von Ladakh.
Dort vermutet Riedel den Schlüssel zu einem Rätsel, das unser Leben
bereits in den nächsten Jahrzehnten radikal verändern kann.
Die deutsch-indische Expedition sucht in Ladakh nach Seen, die
seit mindestens 15.000 Jahren existieren. "In Seesedimenten sind
Klimasignale der Vergangenheit gespeichert, die wir lesen können
wie ein Buch", sagt Riedel. Des Rätsels Lösung steckt in Bohrkernen
aus dem Schlamm dieser Gewässer. Mikroskopisch kleine Pollen und
fossile Mikroorganismen lassen sich datieren und zur Rekonstruktion
vergangener Umweltänderungen nutzen. Und daraus können die Spezialisten
eine Klimakurve ableiten. Doch vor die Analyse im Labor haben die
Berggötter von Ladakh jede Menge Entbehrungen gesetzt. In einer
Höhe von fast 5.000 Metern über dem Meer fällt jeder Handgriff schwer,
der Körper ringt nach Sauerstoff in der dünnen Luft. Im Zeltlager,
das malerisch an dem gesuchten See Tso Kar liegt, herrschen extreme
Bedingungen. Tags brennt die Sonne erbarmungslos mit Temperaturen
von über dreißig Grad Celsius auf die Wissenschaftler. Sobald sie
hinterm Horizont verschwindet, fällt das Thermometer auf minus zwanzig
Grad.
Die Klimaforscher arbeiten in dieser rauen Umgebung mit modernsten
Geräten. Eine entsprechende Rolle spielt dabei ein spezielles GPS
(Globales Positionierungssystem), mit dem die Forscher die Uferlinie
des Sees zentimetergenau vermessen können. Bei den Messungen stellen
Frank Riedel und Bernd Wünnemann zum ersten Mal fest, dass sich
der See im Vergleich zu einer Satellitenaufnahme von 1994 verkleinert
hat. Schon vor Ort erkennen die Wissenschaftler, dass der See kurz
vor dem Austrocknen ist.
Das alleine wäre nicht sonderlich aufregend, denn in den Bohrkernen
haben sie schon einmal eine Versumpfung vor über tausend Jahren
"gelesen". Doch diesmal fällt der See in einem atemberaubenden Tempo
trocken. "Das passt ins Bild", sagt Riedel, "die Daten von anderen
Messstellen zeigen eine ähnliche Tendenz. Die globale Klimaerwärmung
ist eine Tatsache - erschreckend ist das Tempo!" Die Forscher der
Freien Universität Berlin wollen aber nicht nur die zukünftigen
Katastrophen vorhersagen. Ihr Ziel ist es, nach Auswegen zu suchen.
Deshalb arbeiten sie an Programmen, die den Regierenden helfen sollen
gegenzusteuern - ein Wettlauf mit der Zeit.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (17.02.05) http://www.idw-online.de
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