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Software soll Satellitenbilder automatisch klassifizieren
Eine neue Software kann künftig unehrlichen Landwirten genauer
auf die Finger schauen: Wissenschaftler der Universität Bonn basteln
momentan zusammen mit Forschern der Universität Jena und Industriepartnern
aus Jena und Ilmenau an einem Programm, das Satellitenbilder automatisch
auswerten kann. So ließe sich beispielsweise erkennen, wenn auf
angeblich stillgelegten Flächen doch Weizen oder Mais wächst. Das
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert durch das DLR
(Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) das Projekt "Enviland"
in den nächsten drei Jahren mit 1,6 Millionen Euro.
Im Flur des Bonner Zentrums für Fernerkundung der Landoberfläche
(ZFL) hängt ein Satellitenbild, aufgenommen aus lichten Höhen: 500
Kilometer über Bonn schwebte die Kamera an Bord des Quickbird-Satelliten;
dennoch ist auf dem Foto jede kleine Gasse zu erkennen. Ab April
2006 soll der Satellit TerraSAR Radaraufnahmen aus dem Orbit knipsen,
auf denen sogar noch Objekte von einem Meter Größe auszumachen sind.
Mit der Auflösung der Kameras wachsen die Probleme: Die ständig
zunehmende Informationsflut will ja schließlich auch ausgewertet
werden - und zwar möglichst schnell und präzise. "Wir wollen ein
Programm entwickeln, das hoch aufgelöste Satellitendaten auf Knopfdruck
mit großer Sicherheit klassifiziert", erklärt die Bonner Doktorandin
Vanessa Heinzel vom ZFL. "Das Problem liegt vor allem in der Bandbreite
der Rohdaten - wir verwenden optische Satellitenbilder und Radaraufnahmen,
die zudem unterschiedlich detailliert sind." So liefert Quickbird
mit 2,4 Meter Auflösung schon sehr scharfe optische Bilder. Die
Projektpartner nutzen aber auch die Radaraufnahmen des europäischen
Umweltsatelliten ENVISAT - und die sind mit 30 Metern Auflösung
weit detailärmer. Dafür kann die Radarkamera auch bei schlechtem
Wetter und Bewölkung Daten liefern. Zudem liefert sie Informationen,
die im optischen Bild fehlen.
Das Programm soll die verschiedenen Aufnahmen gewissermaßen "übereinanderlegen"
und damit dann "Stadt, Land, Fluss" spielen. "In einem ersten Schritt
wollen wir die Grenzen von Wasserflächen, Wäldern, Städten oder
Feldern automatisch und mit großer Sicherheit erkennen", so Heinzels
Kollege Björn Waske. "Letztlich möchten wir diese Analyse aber so
weit verfeinern, dass der Rechner auch zwischen verschiedenen Fruchtarten
wie Mais, Gerste oder Roggen unterscheiden kann."
Allein durch die Auswertung von Momentaufnahmen ließe sich dieses
Ziel nicht erreichen. Daher wollen die ZFL-Wissenschaftler unter
der Leitung von Professor Dr. Gunter Menz und Dr. Matthias Braun
auch untersuchen, wie sich die Satellitenbilder im Laufe der Vegetationsperiode
verändern. Wie gut eine Pflanze Radarwellen reflektiert, variiert
nämlich mit der Jahreszeit. Der zeitliche Verlauf dieser Änderung
ist charakteristisch für die entsprechende Fruchtart. Im optischen
Spektrum ist das letztlich nicht anders: Der Ahorn steht im Herbst
im leuchtenden Rot, die Eiche kleidet sich derweil im dezenten braun.
Im Sommer wären die beiden Baumarten anhand ihrer Farbe dagegen
noch kaum zu unterscheiden gewesen.
Mit der fertigen Software könnte man unter anderem Agrarflächen
leichter und kostengünstiger überwachen. Doch auch ökologische Probleme
wie Waldschäden oder die fortschreitende Flächenversiegelung ließen
sich damit besser quantifizieren - und auf dieser Basis rechtzeitig
politische Konsequenzen ziehen.
Weitere Informationen: http://www.zfl.uni-bonn.de
- Homepage des ZFL
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (18.01.05) http://www.idw-online.de
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