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Politik muss Verlust der biologischen Vielfalt
in der Landwirtschaft stoppen
Nur noch zwölf Pflanzenarten und fünf Nutztierarten bilden die
Grundlage unserer Ernährung. 99,6 Prozent der Kulturpflanzen bleiben
hingegen ungenutzt und rund 2000 Nutztierrassen sind derzeit vom
Aussterben bedroht. Das wissenschaftliche Verbundprojekt "Agrobiodiversität
entwickeln!" untersuchte die Ursachen und Folgen, die der Verlust
der Artenvielfalt im Bereich der Landwirtschaft mit sich bringt.
"Die gesetzlichen Regelungen und Bestimmungen haben nicht zum Erhalt
der Rassen- und Sortenvielfalt beigetragen", sagt Miriam Dross,
wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Umweltrecht
des Öko-Instituts e.V. Die ExpertInnen des Institutes haben sich
in dem Projekt mit den rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen
beschäftigt. Jetzt liegt der Projektbericht vor und zugleich sind
die Ergebnisse der Forschungsarbeit in einer Broschüre veröffentlicht
worden.
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| Landwirtschaftliche Monokultur unter Einsatz
chemischer Pflanzenschutzmittel |
Die wichtigste Ursache für den Verlust von Agrobiodiversität ist
die moderne "Hochleistungs-Landwirtschaft", die vor allem auf einen
kurzfristigen Ertrag ausgerichtet ist. Die Risiken dieser industrieller
Agrarproduktion werden hingegen nicht ausreichend berücksichtigt:
Wenn nur wenige Sorten und Rassen die landwirtschaftliche Nutzung
dominieren, werden unter anderem die genetischen Grundlagen für
die Züchtung zerstört. "Damit gehen zukünftige Optionen für die
Ernährungssicherung verloren. Die verschiedenen Möglichkeiten sind
jedoch notwendig, um den sich wandelnden Umweltbedingungen und Bedürfnissen
gerecht zu werden", gibt Ruth Brauner, Biologin im Forschungsbereich
"Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft" zu bedenken. Lebensmittelverarbeitung
und Handel, die sich auf immer weniger Unternehmen konzentrieren
und gängige Abnahmepraktiken fördern ebenfalls die Standardisierung
in der Landwirtschaft. Und damit die Monotonie auf Feldern und Weiden,
so ein weiteres Ergebnis der Studie.
Auch die bestehende Gesetzgebung und Förderpraxis leisten einförmigen
Zuchtzielen und einer starken Ertrags- und Leistungsorientierung
Vorschub, die sich nachteilig auf die landwirtschaftliche Vielfalt
auswirken. Zwar ist die Förderung der Diversität zumindest im Tierzuchtgesetz
als Ziel genannt, es fehlt aber an wirksamen Politikinstrumenten,
dieses Ziel auch umzusetzen. "Bisher gibt es kaum politische Instrumente,
um den Verlust der Agrobiodiversität zu verhindern und die landwirtschaftliche
Vielfalt aktiv zu entwickeln", sagt die Juristin Miriam Dross. Erste
Ansätze finden sich in den Fachprogrammen zum Erhalt pflanzen- und
tiergenetischer Ressourcen, die 2005 nun endlich auch durch ein
Förderprogramm unterlegt werden sollen. "Die EU hat sich verpflichtet,
den Verlust von Biodiversität bis 2010 zu stoppen - dies schließt
die landwirtschaftliche Biodiversität ein. Die Agrarwende muss hierzu
aktiv beitragen", fordert Franziska Wolff, wissenschaftliche Mitarbeiterin
des Öko-Instituts. Ein wichtiger Schritt auf politischer Ebene wäre
es, Vorsorge- und Verursacherprinzip auch im Bereich der Tier- und
Pflanzenzucht zu stärken. Als anerkannter Grundsatz der deutschen
Umweltpolitik fordert das Vorsorgeprinzip ein vorbeugendes Handeln
vor allem dann, wenn wissenschaftliche Unsicherheiten bestehen und
nicht umkehrbare Folgen zu befürchten sind - wie es im Bereich der
Agrobiodiversität der Fall ist.
Weitere Handlungsstrategien für mehr Vielfalt sind im Einzelnen
in der Broschüre "Agrobiodiversität" zusammengefasst. Das Projekt
"Agrobiodiversität entwickeln!" wurde durch das Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt "Sozial-ökologische
Forschung" gefördert. Das Projektteam bestand aus dem Institut für
ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem Öko-Institut e.V., der
Schweisfurth-Stiftung, dem Landesumweltamt Brandenburg, dem Otto-Suhr-Institut
der Freien Universität Berlin und der Projektkoordination Tiergesundheit
und Agrobiodiversität. Das Projekt "Agrobiodiversität entwicklen!"
gehört dem Kompetenznetzwerk Agrar- und Ernährungsforschung an (http://www.regionalerwohlstand.de/core/index.php?lang=de&id=2129)
Der Projektbericht und die Broschüre können unter http://www.agrobiodiversitaet.net
kostenlos heruntergeladen werden.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft IDW (13.01.05) http://www.idw-online.de
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