Erdölprojekt der
Weltbank im Tschad "fatal" gescheitert - Förderung
bringt Elend statt Entwicklung
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| "Der Erbauer bietet die Raffinerie
dem Volk des Tschad" (Foto: bicc.de) |
Das Bonn International Center for Conversion (BICC) hat schwere
Vorwürfe gegen die Weltbank und eines ihrer Entwicklungsprojekte
im Tschad erhoben. Nach Erkenntnissen der Organisation ist die
Weltbank mit dem seit 2000 "als Modellprojekt unterstützten"
Vorhaben "fatal gescheitert". Das Erdölprojekt
sollte den Fortschritt in dem zentralafrikanischen Land fördern
und Armut bekämpfen, bringe jedoch Elend statt Entwicklung.
Durch die Förderung soll sich die Situation weiter verschlechtert
haben. Statt zu profitieren, leide die betroffene Bevölkerung
im Tschad unter groben Schäden.
Ölkonzerne als Nutznießer
Im Zuge des größten Infrastrukturprojekts in Subsahara-Afrika
wurde eine 1.070 Kilometer lange Erdölpipeline vom Süden
des Tschad bis Kamerun errichtet. Neben der Weltbank investierte
ein privates Konsortium, bestehend aus den Ölriesen ExxonMobil,
Chevron und Petronas, in die Realisierung. "Die Ölfirmen
sind nun die Nutznießer des Projekts und machen dort ihre
Geschäfte", betont BICC-Researcherin Lena Guesnet im
Gespräch mit pressetext. Außerdem erhalte die Regierung
Geld. Die Entschädigungen für die schlechteren Lebensbedingungen
an die Bevölkerung seien hingegen unzureichend und unverhältnismäßig.
Seit 2003 fließe das Öl aus dem Tschad. Die Weltbank
habe sich 2008 aus dem Projekt zurückgezogen. Nach Angaben
des BICC waren die Risiken und potenziell negativen wirtschaftlichen,
politischen, ökologischen und sozialen Folgen des Doba-Projekts
aber bekannt. Dennoch habe die Weltbank das Vorhaben zum Vorzeigeprojekt
erhoben und sei von den positiven Effekten des Erdöl-Investments
überzeugt gewesen. Die Signalwirkung an die Industrie sei
fatal gewesen. Insgesamt pumpte die Weltbankgruppe knapp 300 Mio.
Dollar in das Projekt.
Öl finanziert Gewaltkonflikte
"Der Erfolg des Doba-Projekts wird vielmehr an der Reduzierung
der Armut gemessen werden als an den Barrel von gefördertem
Öl oder den Millionen von Dollar aus Ölexporten aus
dem Tschad", hieß es 2000 von der Weltbank. BICC zufolge
werden die Einnahmen aus der Förderung aber nur unzureichend
in Entwicklungssektoren wie Gesundheit oder Bildung investiert.
Die in der Region lebende Bevölkerung leide zudem unter produktionsbedingten
Umweltschäden. Außerdem analysiert BICC, wie die Öleinnahmen
Konfliktpotenziale rund um die Förderstätten beeinflussen
und wie sie Gewaltkonflikte direkt finanzieren.
Ökonomische und ökologische Belastungen
"Im Rahmen des Projekts wurden mehr Ölbrunnen gebohrt
und mehr Land eingenommen als geplant. Leute werden umgesiedelt.
Die Vorstellungen über die Höhe von Entschädigungen
zwischen der Zivilgesellschaft und den Ölkonzernen klaffen
jedoch weit auseinander", meint Guesnet gegenüber pressetext.
Pro Mangobaum sei die Industrie beispielsweise bereit gewesen,
sechs Dollar zu zahlen, denen ein geforderter Wert von 1.600 Dollar
gegenüberstand.
"Die Bevölkerung leidet unter Belastungen wie einer
erhöhten Staubentwicklung, nicht beseitigten und toxischen
Abfällen sowie einem erhöhten Wasserverbrauch",
erläutert die Expertin. Industriefahrzeuge verkehren auf
Trassen, da die Straßen nicht geteert worden seien. Gegen
den Staub gehe man mit Wasser vor, zählt Guesnet eine Reihe
von Schäden auf. Statt der Bevölkerung profitiere die
Erdölindustrie von einem Entwicklungsprojekt. Die Weltbank
sei damit kläglich gescheitert.
BICC-Analyse (PDF-Download)
Quelle: pressetext.deutschland (27.02.2010) |